Das gemeine Kopfhaar
Burt Viola, 13.10.2008
   „Richtig supi bist Du nur, mit einer chicen Haarfrisur" (*) od. das gemeine Kopfhaar und seine Bedeutung in der Geschichte der Weltpolitik von 1945-2008.

  Falls Sie sich fragen, ergebener Leser, wo sich ihr viel geschätzter Autor die letzten paar Jahre herumgetrieben haben moch­te, darf ich Ihnen sagen, dass ich in ge­hei­mer Geheimmission unterwegs war um eine mögliche Verschwörung oder doch nur ein kroteskes Verwirrspiel unseres unzuverlässigen Freundes, des Zufalls, aufzudecken?
   Bald ist es nun wieder soweit, das Jahr 2008 lässt sich durch 4 teilen und das bedeutet: Richtig, unsere unkomplizierten Freunde aus Übersee, das amerikanische Volk, schreitet zu den defekten Wahl­ma­schi­nen. Denn schon bald, genauer, am 1. Dienstag nach dem 1. Montag im November, bekommt der 43. Nachfolger George Adam Weishaupt- Washingtons, den Weisel, und ein neuer Hoffnungsträger darf ins Weiße Haus einziehen.
   Wenn wir nun die momentanen Kandidaten betrachten, was sehen wir? Bei den Republikanern, der im schönen Coco Solo geborene, sympathische, jung gebliebene Vietnamveteran John Sidney McCain III, und bei den Demokraten der Jungspund und nearly-everybody´s-Darling Barack Hussein Obama. Aber wer sich schluss­end­lich im November durchsetzen wird, ist ziemlich sicher keine Frage der persönlichen Qualitäten, des Programms oder gar der Glaubwürdigkeit. Die Wahrheit liegt in einem sehr viel filigraneren, kleineren Bereich. Alles dreht sich um das capillus, das gemeine Kopfhaar. Wahrscheinlich werden Sie sich jetzt selbiges kratzen wenn Sie diese Worte lesen, aber schon bald wird Licht ins dunkle Dickicht des verwirrten Denkerhaarschopfes dringen.
   So lassen sie uns den momentanen Präsidenten betrachten, genauer gesagt die Zone oberhalb der imposanten, mit groben Denkfurchen durchzogenen, Stirn. Was wird unserem wachen Auge da geboten? Genau, ein unauffälliger, dünner Scheitel zieht sich über des Mannes Kopfgewölbe. So weit, so unverständlich. Gehen wir einen zeitlichen Schritt zurück, Bill Clinton. Was erblicken wir? Ein Helm von einer Frisur. Ein haarliches Bollwerk gegen die Unbill der eisenharten Weltpolitik. Nächster Schritt: George Bush. Wo sollte Söhnemännchen auch sonst seine Haartracht geerbt haben, auch Bush sen., der dünne Scheitel.
   Erhellt sich schön langsam des aufmerksamen Lesers furchengefaltete Zweifelsstirn? Setzen wir fort mit Ronald Reagan; ein Frisur wir ein Stetson, die Haare drahtig und widerstandfähig wie Stacheldraht auf den endlosen Weiten der Prärie, der Stahlhelm eines kalten Kriegers. Und weil wir gerade so schön in Schwung sind: Jimmy „Schlaffi“ Carter, eine Scheitelfrisur so dünn, wie die Samenschale einer Erdnuss. Nun was haben wir bemerkt? Fassen wir das eben gelesene in einer kleinen Übersicht zusammen:

     • George W. Bush (2001-209): SCHEITEL
     • Bill Clinton (1993-2001): HELM
     • George Bush (1989-1993): SCHEITEL
     • Ronald Reagan (1981-1989): HELM
     • Jimmy Carter (1977-1981): SCHEITEL

   Wenn Sie sich nun die Mühe machen würden noch weiter zurück zu rechnen, würden sie bemerken dass die Reihenfolge, Scheitel – Helmfrisur fast lückenlos bis zu Harry S. Truman, der 1945 Präsident wurde, zurückreicht. Aus dieser Reihenfolge sind natürlich die Präsidenten, die nie wirklich gewählt wurden, wie Lyndon B. Johnson (Nachfolger John F. Kennedys, ein großer Helmfrisurträger, nebenbei bemerkt) und Gerald Ford (Nachfolger Richard Nixons, ebenso mit einer famosen betonenen Haartracht gesegnet), wegzurechnen. Ebenso diejenigen die nie Mitglied einer Partei (Reb. od. Dem.) waren, wie Dwight D. Eisenhower.
   Wenn man nun all die Präsidenten seit 1945 in Helm- und Scheitelträger unterteilt und diese wiederum in Republikaner und Demokraten, steht es wundersamerweise, in jeder Kategorie unentschieden! Jeweils 2 Republikaner (Nixon, Reagan) und 2 Demokraten (JFK, Bill Clinton) trugen Helm, ebenso bei der Scheitelfrisur, 2 Republikaner (Bush sen., Bush jun.) 2 Demokraten (Carter, Truman).
   Soweit nun meine theoretischen Ausführungen, zurück in die Gegenwart. Was kann uns dass nun über die heurigen Wahlen verraten? Sehen wir uns zuerst McCain an, seine Frisur verrät uns das er für den Posten eines vom Volk gewählten Präsidenten nicht geeignet erscheint, er ist der typische Ersatzmann, siehe Lyndon B. Johnson oder Gerald Ford. Somit bleibt uns per logischem Ausschlußverfahrens nur noch Barack Obama erhalten, der zwar mit seiner jugendlichen Kurzhaarfrisur nicht direkt der bisherigen Aufteilung entspricht, aber mit etwas längeren Haaren durchaus wieder ins Schema passen würde.
   Ob dieser Aufdeckungen verstünde ich es nur zu gut, würde dem Leser nun vor Angst und Schrecken der Nackenpelz inkl. „Hansi“ zu Berge und zu Himmel stehen. Die ewig sublime Angst nicht Herr seiner Lebenswelt zu sein, beherrscht zu werden von externen Mächten, in Wahrheit nur unwichtiges Beiwerk im Spiel der Kräfte von K.A.H.L. („Konspirativ-Anarchisches-Haarschneider-Legat“). So kann ich Ihnen nur raten, bleiben sie stark und lassen Sie bei Ihrem nächsten Friseurbesuch, ob ihrer nun erworbenen Mitwisserschaft, mehr Vorsicht walten, denn der Dämon in ihrem Rücken könnte ein Todesengel sein ... Mind the scissor! – und alles Gute, bv

* die Ärzte – Le Frisur: „Erklärung“ (1996)









Links:
› US-Präsidenten
› Barack Obama
› John McCain

Fotos:
Helm vs. Scheitel!

_retour