Darf Frau feministisch sein?
Frau K, 14.02.2005
   Was für eine idiotische Frage, sie darf, kann, soll und muss! Wer würde schon auf die Idee kommen, einem Mann das Recht abzusprechen, für seine eigenen In­ter­es­sen einzutreten, und was anderes ist bitte der Feminismus?! Jede Frau ist von Natur aus eine Feministin. Nur wird sie dann ihr ganzes Leben lang dazu erzogen, sich im schlimmsten Fall dafür zu schämen und ihre eigenen Bedürfnisse hinten an­zu­stel­len, oder im besten Fall damit zu leben, dass mann sie für streitsüchtig und un­weib­lich hält (wie ironisch, oder?!). Zu­ge­geben, viele Frauen lassen sich dazu hinreißen, ihrer Wut und ihrem Zorn, die eben aufkommen, wenn eine die Gewalt der Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft mit voller Wucht über sich hereinbrechen fühlt, freien Lauf zu lassen. Und dann springen uns Werbungen für Zeitschriften an, in denen über Penislängen gewitzelt wird. Ist das die Lösung?
   Wohl kaum. Aber ist diese Reaktion verständlich? Sehr wohl. Es ist der verzweifelte Versuch, auf dem gleichen Niveau zurückzuschlagen. Denn schließlich wird uns Frauen ja dauernd erklärt, wir sollten doch ein bisschen lockerer sein und das alles nicht so ernst nehmen. Ist doch nur Spaß! Aber während sich ganz Österreich darüber lustig macht, dass eine Frauenministerin einen derartigen Macho von vorgestern zu hause sitzen hat, lassen wahrscheinlich unzählige von jungen Frauen jeden Abend irgendwelche sexistischen Witze über sich ergehen, die sich ihre Freunde ganz beiläufig bei einem Bier erzählen. Hin und wieder wäre ihnen vielleicht danach, aufzustehen und zu schreien ‚Wie komm ich eigentlich dazu, mir so einen Scheiß anzuhören?!', aber sie wissen ja doch nur zu gut, wie die Antwort lauten würde ‚Jetzt sei doch nicht so eine unlustige Kampflesbe. Verstehst kan' Spaß?!' Einmal bekam ich sogar die Antwort ‚Ich bin ein Feminist, ich darf solche Witze erzählen.' Andererseits aber erwartet mann, dass frau sich diesem Thema nur mit einer unheimlichen Verbissenheit ernsthaft nähern kann. Mit jedem vermeintlichen Fehltritt hat frau ganz schnell wieder das Recht verloren, sich Feministin nennen zu dürfen. Denn ‚Sex and the City' zu sehen muss doch für eine echte Feministin Verrat an der eigenen Sache sein. Oder? Ich persönlich habe ein sehr gespaltenes Verhältnis zu dieser Serie und zu dem Frauenbild, das darin transportiert wird. Trotzdem glaube ich nicht, dass die Fähigkeit einer Frau, über sich selbst und die Frauenklischees in dieser Serie lachen zu können, ihr das Recht absprechen, sich für ihre eigenen Interessen einzusetzen.
   Wie soll frau die Sache also angehen? Wenn sie über sich selbst und ihre eigene Situation lachen kann, erzeugt das allzu oft den Irrglauben, mann könnte sich in seiner Respektlosigkeit noch weiter ergehen. Doch den Spieß einfach umzudrehen, halte ich auch nicht für besonders einfallsreich. Das ist ein Verständnis von Gleichberechtigung, mit dem ich einfach nichts anfangen kann. Erstens möchte ich mich ja eben nicht zum Mann machen müssen, um ernst genommen zu werden, und zweitens habe ich absolut nichts davon, wenn mann neuerdings auch den Druck der Schönheitsindustrie zu spüren bekommt. Toll, dann leiden eben alle! Möglicherweise hilft es, sich den Unterschied zwischen unserem patriachalen Gesellschaftssystem und ‚den Männern' bewusst zu machen. Denn ein System, in dem es nur um Leistung und Macht geht, tut weder mann noch frau gut. Ich gebe mir also Mühe, meine Wut gegen Strukturen zu richten, obwohl es ungleich schwieriger ist, auf etwas derart unkonkretes zornig zu sein. Und dennoch lasse ich nicht aus den Augen, was ich mir von jedem einzelnen Mann erwarten kann: dass er versucht, Verständnis für meine Situation aufzubringen, und vor allem Respekt hat vor meinen Bedürfnissen und Interessen! Frau K







_retour