Das mit dem Benimm
Dr. Muratti, 17.02.2006
   Wenn wir das www nach Ver­hal­tens­regeln durchsuchen so finden wir eine Viel­zahl von tollen Ratschlägen wie wir ein Email zu schreiben haben oder ob bei einer Einladung die Kleiderordnung fest­zu­setz­en sei.
   Die Süddeutsche schreibt in einem online Forum: "Dabei halte ich es für un­ab­ding­bar, die Kleiderordnung fest­zu­legen – und zwar nicht nur dann, wenn man sich wünscht, dass die Herren im Smoking, die Damen im Abendkleid er­schei­nen. Es ist für alle Beteiligten besser, zu wissen, wie man angezogen sein soll – nur so ist niemand under od. overdressed. Man kommt sich ziemlich blöd vor in der Jeans, wenn alle im Anzug da sind – und ebenso blöd steht man da im Anzug zwischen Pullovern.“

   Ich halte davon nix. Persönlich lobe ich mir Menschen die z.B. bei alternativen Studentenfeiern im Anzug und bei steifen, wir sind die „Traumschwiegersöhne-Stelldicheins“ in der Lederhaut erscheinen. Meine Helden sind jene, die gekonnt aus der Reihe tanzen. Außerdem macht sich von diesen „Ja wo is'a denn der Dresscode?“ verstaubten Wixern keiner Gedanken wie wir uns in einer „Vorstadtbumsen“ verhalten sollen, oder gar in einem räudigen Tanzlokal. Hier wollen wir diesen Fragen auf den Grund gehen. Wie verhallte ich mich in den unorthodoxen Situationen?

• In der „Vorstadtbumsen“
• In der schmierigen Disco
• In der noblen Disco
• Bei Menschen die sich benehmen können
• Bei Menschen die sich nicht benehmen können
• Bei Menschen die sich gerne benehmen könnten
• Bei Menschen die glauben sich benehmen zu können
• Im Urlaub
• Am Strand
• Der Stadturlaub
• Sport
• Im Auto
• Auf der Skipiste
• Im Zug
• Im grauslichen Strandbad
• Der Aufriss und
• Wie werde ich das Aufgerissene elegant wieder los?

Um nur ein kleines Spektrum der Themen zu nennen die wir hier näher bringen wollen. Also, wie man das früher immer nannte:

Wir richten ein Fest aus

   Wer will auf Feste mit Kleiderordnung? Na also, bitte lassen sie das einfach weg! Hochzeiten und Beerdigungen sind da eine Ausnahme. Hochzeit: Holen sie das Flagschiff aus dem Schrank! Beerdigung: Schwarz, aber Achtung, nicht zu sexy, ist unpassend! Die hohe Benimminstanz der Süddeutschenzeitung schreibt: "Die Entscheidung, wen man bei sich wissen will, ist die erste, die getroffen werden muss. Die nächste ist es, seine Gäste zu setzen. Ich empfinde es immer als ungehörig (und faul), keine Sitzordnung sich einfallen zu lassen. Bei dieser Prozedur ist außerdem wichtig, dass die Gäste, die man besonders schätzt, neben den Gastgebern sitzen: rechts neben dem Herrn also die für diesen Abend Bevorzugte. Und neben der Gastgeberin der liebste (wichtigste) Gast ...“

   Na also auch wir laden natürlich Leute ein die wir mögen. Auch bei Hochzeiten machen wir eine Sitzordnung, sonst nicht. Wir veranstalten nämlich bevorzugt „Stehfeste“, da kann es gar nicht zu einem unangenehmen Gegenüber kommen. Was die Sitzordnung bei Hochzeiten angeht so sollte man es vermeiden zu „kuppeln“ also eine herrenlose Dame bzw. Frau, neben einen ungepachteten Mann zu setzen. Das macht nur nervös, weil beide wissen, dass sie von allen angestarrt werden. Wenn Amor will werden sie sich auf der Tanzfläche den Weg ins Bett weisen, aber dazu später. Was das mit der „liebste (wichtigste) Gast...“ bei der Dame, Blabla soll, naja. Ich brauche das nicht, es soll sich jeder mit jedem unterhalten können, aber nicht müssen. Stehfest!

Das Geburtstagsfest

    Es gibt Puristen, die meinen, zu Geburtstagsfeiern dürfe man nicht einladen, weil damit um ein Geschenk gebettelt würde – ich finde diese Vorsicht albern. Schließlich kommt man zu keiner Einladung ohne Geschenk. Also, natürlich lädt man zu Geburtstagsfeiern ein. Man sollte nur im vorhinein feststellen ob da was bezahlt wird oder nicht und auf Grund dieses Aspektes sein Geschenk wählen. Bei runden Geburtstagen von guten Freunden sollte man sich keinesfalls Lumpen lassen.
   Was wir vermeiden sollten: Bitte, bitte, bitte keine ernsthaften Ansprachen! Das ist ja das aller schlimmste. Wenn wir die Punkte befolgen, dass zu unseren Feiern nur Menschen kommen die wir mögen so erübrigt es sich sein Leben noch einmal in Echtzeit vergehen zu lassen, die Anwesenden haben hoffentlich daran mitgewirkt. Sollte das nicht der Fall sein dann schauen sie doch in die Zukunft oder wenn sie so unendlich mitteilsam sind, was ja auch manchmal ganz gesund ist, so sprechen sie mit zwei oder drei in Ruhe über ihre Heldentaten oder ihre traurigsten Abgründe.
   Ferner wollen wir dem Personal der Gaststätte in der wir Feiern nicht unnötig auf den Arsch gehen. Natürlich soll es schön bei unserem Fest sein, aber bedenken sie immer, dass in solchen Lokalen jede Woche eine „wichtige, große Feier“ stattfindet und das Personal wahrscheinlich auch unsere Idee, so neu sie uns auch immer vorkommen mag, z.B. der Kindergeburtstag zum 30., oder ein „Nutten- und Zuhälterfest“ zum 25., ein „Wirsinddocheigentlichalleehnoch-wie25Fest“ zum 40. schon bis zum erbrechen dekoriert hat.
   Zum Ende unseres ersten Kapitels, „wir richten ein Fest aus“, das natürlich noch weiter behandelt werden wird, wollen wir noch einmal die Süddeutsche- Zeitung sprechen lassen: "...letztlich gilt also auch bei Einladungen: Höflichkeit dient allein dazu, das Leben der Mitmenschen und das eigene angenehm zu machen. Wer das beherzigt, wird nie einen Fehler machen. Kurz: Alles wird gut.“ Alles Liebe, Ihr Dr. Muratti









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