Detschn light oder: vom Erfolg indirekter Ohrfeigen
Mariella, 1.6.2012
   Kinder anderer Eltern nerven. Vor allem wegen ihrer überfürsorglichen, pene­tran­ten und entsetzlichen Erzeuger, die der Meinung sind, die von ihnen in die Welt geworfenen künftigen Geistesriesen und Olympioniken würden von ihrer Umwelt nicht entsprechend gewürdigt. Man sehnt die gute alte „gsunde Watschn“ herbei und das nicht für die Kinder. Sogar Teile der österreichischen Politik zerbrechen sich aktuell die Führungsköpfe, wie man zu­min­dest der heutigen Lehrergeneration die "Detschn" wieder möglichst elegant schmackhaft machen könnte. Allerdings etwas zu weit gefasst und adressiert an die falschen Stellen. Die Sprösslinge von Herrn und Frau Österreicher befinden sich nämlich immer grade in einem „besonderen“ Stadium der Entwicklung und können grundsätzlich für nichts zur Rechenschaft gezogen werden. Und deren Eltern schon gar nicht. Es darf nun keinesfalls missverstanden werden, dass Kinder körperlicher Gewalt ausgesetzt werden sollten, doch soll an dieser Stelle dafür plädiert werden, Eltern die Erziehung ihrer Kinder vorzuschreiben. Sonst kommen nämlich diese künftigen Geistesriesen und Olympioniken in die Politik und erweitern urplötzlich die Begriffsdefinition althergebrachter Wörter ins unendlich Lächerliche. Oder wildfremde, unschuldige Menschen müssen als Erziehungsberufene herhalten. Beispiel (wahr) aus dem Alltag eines öffentlichen Verkehrsmittels: ein alter Mann sitzt in der Straßenbahn einer Mutter mit Spross gegenüber. Die Frucht der Lenden beginnt schließlich langsam, dem Mann ins Schienbein zu treten. Der Mann möchte das nicht und artikuliert sein Anliegen. Die Frucht tritt fester. Der Mann wie die Umsitzenden und -stehenden sind entsetzt. Er wendet sich hilfesuchend an die Erziehungsberechtigte und bittet sie, dem Sohnemann doch auszurichten, dass dessen Verhalten Schmutz und Schmerzen verursache und er es doch bitte einstellen möge. Die affektierte wie nutzlose Antwort der Mutter: „Machen Sie sich das bitte selbst mit meinem Sohn aus.“ Das öffentliche Verkehrsmittel ist fassungslos. Söhnchen kickt bestärkt und ermutigt fester zu und lässt keine Möglichkeiten für Friedensverhandlungen zu. Zwei Stationen später steht der Mann auf, knallt Söhnchen eine Ohrfeige ins Gesicht, drückt den Knopf zum Aussteigen, und verlässt die Straßenbahn. Donnernder Applaus. Außer von Seiten der Mutter. Ohrfeigen funktionieren offensichtlich auch indirekt. Zu hoffen ist nur, dass das der Politik noch nicht zu Ohren gekommen ist. Mariella








_retour