Es lebe die Gemütlichkeit
Burt Viola, 12.10.2006
"Der Versuch einer provokanten Antithese zum stilsynthetisch, medial verwursteten Kunstprodukt des metrosexuellen Mannes" oder "Es lebe die Gemütlichkeit!"

   Und wieder ist die LL Erster! Die, die Trends setzten, die, die´s immer schon (bes­ser) gewusst haben, die, mit der großen Ahnung und dem globalen Über- und Durchblick. Man betrachte und beachte nur die schon legendären „LL vs..“- Artikel, die eben erwähntes nur be­stä­tigen. Nun ist es wiedermal so weit. Die LL fungiert als internationaler Trendscout.
    Ein neuer Lifestyle dreut heran, und wir sind die ersten die ihn erkannt haben und (Hr. Fellner wäre stolz auf uns) aus­schlach­ten und bis zur Selbstverleugnung vermarkten und verwursten! Die Zeit des allseits beliebten metrosexuellen Mannes ist vorbei. Der hohlbirnige David Beckenschinken kann seine Plüschsocken, sein Schminktäschchen und seine großkotzigen Brillies der Heilsarmee schenken. Sämtliche parfümierten und gepuderten Fashion Victims in ihren rosafarbenen Glitzertops können ihre klebrigen Iro-Gnackmatten als Polsterfüllung verwenden und dabei auch gleich ihre Army of Lovers (wers no kennt)-Gedächnisstrichbärtchen dem heiligen Gilette am Badezimmeraltar opfern. Nichts ist so out wie der, von sich aus stilfreie Mann, der sich seinen Geschmack bei der homosexuellen Szene abschauen muss.
   Jetzt kommt der Mann, der sich geschmacklich, zwar auch in der homosexuellen Szene, aber diesmal auf der anderen Seite bedient. Die Lesben. Und zwar die wahren Lesben. Die mit den drei großen H. Holzfällerhemd, Herrenhaarschnitt und Hochwasserhose. Der Mann von heute ist ein lesbischer Mann. Der Mann von heute ist ein Lebster.
   Den Alltag bestreitet der Lebster in bequemer, aber auch eleganter sportlicher Kleidung: Polohemden in diversen Farben (am besten Handelsmarken), Stone­washed-Jeans (alternativ mit Bundfalte), und sollte das Wetter auffrischen, launige „Bill-Cosby"-Pullover (Lauscha, Versandhäuser ...). Am geschmeidigen Fuße wird der Schlüpfer (alternativ mit Quastl) wieder Fourore machen. Für diverse Kleinigkeiten (Stofftaschentuch, Zeitung, Kamm ...) steht dem Lebster die Herrenhandtasche gut zu Hande. Auch untenrum geizt der Lebster nicht mit seinen Reizen. Der klassische Herrenslip mit Eingriff tut das Seinige dazu. Sommerliche Badeausflüge werden in gut sitzenden Badehosen („Speedo-Style“) verbracht. Sucht der Lebster den Friseur auf, besteht er auf den klassischen Herrenhaarschnitt. Halblang, hinten nicht zu kurz, gescheitelt und geföhnt (!).

   Der Lebster ist Freund eines ökonomischen Lebensstils, heißt: Quantität statt Qualität, unter der Vorraussetzung das zweiteres am selben Niveau steht wie ersteres. Gerne bedient sich der Lebster deshalb an preisgünstigen z.B. Handels­marken­parfums im Halblitergebinde. Auch entspricht dieser Haltung ein Hang zur wilden Natur. Sprich Körperbehaarung. Die ursprüngliche Männlichkeit, etwa eines gut gesaugten Brustteppichs, kann sich wieder sehen lassen. (alternativ auch dazu ein gewagtes Schnauzbärtchen) Zum Stutzen der stolzen Manneswiese wird der ökonomische Gedanke natürlich weitergeführt, und der Lebster verlässt sich auf den elektrisch betriebenen Barttrimmer.
   Der Lebster ist eine Lebemann. Ein Epikuräer geradezu. Ein Häupl. Was das leibliche Wohl betrifft lässt sich er sich kein X für ein U vormachen, und ein Sojalaberl für ein Schnitzel schon gar nicht. Der Lebster ist ein Förderer öster­reichi­scher Ess- und Genusskultur. Ein gepflegtes Menü beim Wirten ums Eck, ist was Schönes. Flüssignahrung, des Abends gerne mal ein Schlückchen Brünnerstrassler aus dem Römerglas. Zur Verdauung ist der „Leibwächter“ DAS Getränk der Stunde! Daheim hält sich der begütete Lebster eine Hausbar, dezent im Wandverbau integriert, mit einer erlesenen Auswahl guter Liköre und Weinbränden.
   Wie bereits erwähnt, der Lebster liebt die Gemütlichkeit. Bei jeder Gaudee dabei. Ob Kirtag oder Grätzlfest, der Lebster lässt sich blicken. Seine Urlaube verbringt er an der oberen Adria oder natürlich in österreichischen Gefielden. Bevorzugt das Weinviertel oder Marchfeld. Sollte der Lebster daheim die heißesten Monate verbringen, vergnügt er sich im eigenen Schrebergarten und/ oder Badekabine beim Schnapsen oder Jollyspielen.
   Weiters liebt der Lebster das Kegelspiel, Minivans (die dünnere Geldbörse leistet sich gerne einen schmucken Aixam) und seinen „Grund“. (Stichwort: „wo man ist, da ist es schön“) Bevorzugt tritt der Lebster in vorstädlichen bzw. transdanubischen Gegenden auf. Er ist begeistertes Mitglied eines Sparvereines und liebt die Sicherheit seines Arbeitsplatzes. Jobhopping ist absolut out. 50 Jahre Arbeits­leistung, ein Betrieb. Das gibt Ruhe. Auch eitle „Ich-AG“ Gecken sollten tunlichst einen Umdenkprozeß starten, den die Neue Solidarität bestimmt das Denken des sozialbewussten Lebsters.
    Wenn Sie sich in gewissen Parts obiger Beschreibung wieder erkennen oder an manchen Ideen Gefallen finden, bzw. drauf und dran sind sich bei Lauscha einzukleiden, Schnauzbartträger sind, oder ein Parteibuch besitzen, sind sie auf dem besten Wege. Stylingtechnisch kann Ihnen nicht mehr viel passieren und Sie werden Rundum für Aufsehen sorgen. Sie sind ein Lebster, der Mann fürs neue Jahrtausend. bv









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