Heinzi for President
W-Bär, 22.12.2003
   Ich weiß noch genau wie alles begann: Ich bin g'rad gemütlich vor'm Fernseher herumgelümmelt, die linke Hand bundy­mäßig im halbad offenen Hosenbund und mit der rechten hab ich meine Bud­weiserflasche festgehalten. Sie könnt ja davonlaufen. Im Fernsehen ist gerade der Kottan gelaufen und der Pilch hat gerade wieder einen cholerischen kriegt, als plötzlich mein Telefon geläutet hat. Zuerst war ich noch ein bis'l unrund, weil ich mir 'dacht hab Geht's doch scheiss'n, lasst's mi im Kraut, ich will mei' Ruh' haben, aber dann hab ich doch abgehoben. Und das war im Nachhinein betrachtet auch gut so. Es war nämlich der Fischer-Heinzi. "Servus, W-Bär", hat er gesagt, "Du i müsst dich kurz was fragen." So fangt er immer an, wenn er anruft. "Der Fredi und der Michl woll'n, dass ich für'n Bundespräsidenten kandidier'. Was halts'n du da davon?"

   Ich kenn den Heinzi ja jetzt schon eine halbe Ewigkeit. Genau genommen seit dem Tag in Kuba, als ich mir gerade die Sonne auf den Bauch scheinen hab lassen. Es war meine Maturareise, und wie das halt so is' auf Maturareisen, nix zu tun außer lasch in der Gegend herumhängen und den Rausch von der letzten Nacht verdauen. Irgendwann is' mir dann zu blöd geworden und ich bin mit'm Bus nach Havanna rein gefahren und hab' ein bis'l auf Tourist gemacht. Und prompt bin ich dann auch gleich bei der Villa vom Fidel vorbeigekommen. Nette Hütte, dachte ich mir noch so im vorbeigehen, aber vielleicht gar ein bis'l schwer bewacht, als plötzlich ein hellblaues Oldsmobil vorbeigeprescht ist. So schnell hab ich gar nicht schauen können sind da auf einmal vier hässliche Cubaner rausgehüpft und haben das Feuer eröffnet. Lang hat's dann nicht gedauert bis die Burschen in der Hütt'n angefangen haben sich zu wehren. Na und plötzlich, so aus dem Nichts, ist da dieser Krawattenwastl mit seiner Frau aufgetaucht. Bevor die überhaupt noch mitgekriegt haben was da abgeht bin ich rüber gehechtet und hab die beiden auf den Boden geschubst. Ich möcht ja jetzt nicht unnötig angeben, aber meine messerscharfe analytische Blitzgneisserei hat uns in dem Augenblick mit Sicherheit das Leben gerettet. Eine Sekunde später und die Fischers wären von einer riesigen, fetten Granate zermanscht worden. Da war ich dann doch ein klein wenig unrund! Eigentlich wollt ich ja nur durch Havanna schlendern, Rum trinken und mir Hemingway-mäßig einen reinhängen und dann tauchen da diese hässlichen Visagen auf und aus war's mit der Ruhe. Schluss mit lustig, hab ich mir gedacht, bin rüber gerannt zu dem Ungustl mit dem Granatwerfer, hab ihm das Ding aus der Hand gerissen, nachgeladen und die ganze versoffene Scheißbande ohne mit der Wimper zu zucken in die Luft gejagt. Dann is' es mir gleich wieder ein wenig besser gegangen. Die Fischers haben sich überschwenglich bedankt und aus der Hütt'n is' dann auch noch so ein alter Knacker mit Wuschlbart rausgekommen. Zuerst hab ich gedacht, der will mich anschnorren, aber wie sich dann herausgestellt hat war das der Fidel und der wollt sich auch nur bedanken, dass ich ihm die Gauner vom Hals gehalten hab. Wir waren dann noch bei ihm auf an Kaffee und Kuchen und haben ein bis'l geplauscht und der Heinzi und ich haben uns angefreundet.

   Aber um wieder auf das Telefonat zurückzukommen: Der Heinzi will wissen, ob er Bundespräsident werden soll. Gute Frage, eigentlich. Einmal nachdenken. Die Alternative wär so eine Kampfbulldogge mit Hutschpferdgrinsen, die mir wenn ich sie auch nur kurz in der ZiB seh', sowas von Angst macht, dass mir immer gleich ganz unheimlich wird. Weil das mit'm Alf Poier hat sich ja mittlerweile erledigt. War wohl doch nur so ein kleiner Gag. Aber geh'! Und der Stefan Weber dürft' das auch ned ganz so ernst gemeint haben, als er noch lauthals verkündet hat, dass er ebenfalls kandidieren will. Find ich ein bis'l schade. Hätte lustig werden können, aber wir sind ja da schließlich nicht in Amerika. Jetzt wär's natürlich irgendwie schon höchste Eisenbahn, dass Österreich einmal von einer Frau bundespräsidentiert wird. Wir leben ja doch schon im 21. Jahrhundert. Aber sollt'ma jetzt nur deswegen dieses kostümtragende Schminkmonster mit dem Dauergrinser wählen? Schlechter Plan! Ihre Chancen stehen ja angeblich gar ned einmal so schlecht. Besser jedenfalls, als vor ein paar Jahren, für die Gertraud Knoll. Da war die Zeit noch nicht reif für eine Frau Bundespräsident. Jetzt soll's ja, wenn man den Meinungsforschern glaubt, angeblich schon anders ausschauen. Aber trotzdem, ich bleib dabei. Wenn das der einzige Grund sein soll die Benito, 'tschuldigung, Benita, zu wählen, dann danke, aber nein danke! Und sonst ist ja da niemand. Die "schoarfe Marxistin" traut sich ja jetzt leider doch nicht und dass sich sonst noch wer findet is auch eher unwahrscheinlich. Läuft also auf ein Duell Heinzi vs. Benito hinaus. Da könnt einem fast ein bis'l das fürchten kommen.
   "Du Heinzi", hab ich zu ihm gesagt, "Es kommt a Zeit im Leben eines jeden Mannes wo ein Mann zu tun hat, was ein Mann zu tun hat." Spitzenspruch. Wollt ich immer schon einmal sagen! "Und jetzt stell dir einmal vor was passiert, wenn du ned kandidierst und diese zähnefletschende Hochsteckfrisur wird tatsächlich Bundespräsidentin! Das kannst ned zulassen. Horch auf den Fredi und den Michl und panier's nieder, die Oide! Meine Stimme hast." Der Heinzi hat sich gefreut und gemeint: "Heast, W-Bär du hast recht! Das könn'ma nicht zulassen! Mach'ma sie fertig, die schiache Alte!" Dann hat er sich noch einmal bei mir bedankt und aufgelegt. Ich hab mir dann den Kottan fertig ang'schaut. Der Schrammel war wieder einmal der Dümmste überhaupt, aber das is' ja nix neues. Und dann hab ich mir irgendwann einmal gedacht: W-Bär, das hast gut gemacht. Auch wenn der Heinzi vielleicht jetzt ned dein Wunschkandidat ist, so müss'ma doch schauen, dass er was reißt. Schadensbegrenzung heißt das Zauberwort. Und da das Amt des Bundespräsidenten in Österreich nun einmal in erster Linie ein repräsentatives ist, fällt mir die Entscheidung als Wähler ziemlich leicht. Es sagt ja keiner, dass der Heinzi perfekt ist. Aber im Vergleich mit der Waldner kann er nur gewinnen. Und dass er, der alte Agnostiker, wie er sich selber so gern bezeichnet, aus der Kirche ausgetreten ist, macht ihn mir noch um so viel sympathischer, weil Kirche und Staat die haben gefälligst nix miteinander zu tun zu haben und wenn der Kohl noch einmal vorschlagt Gott in die Verfassung aufzunehmen, dann wünsch ich ihm, dass sein Hund stirbt. Keine Macht der Kirche und keine Macht dieser grauslichen alten Frau. Und die Chris Lohner sieht das glaub ich genauso. Denk ich mir halt, weil's mich jetzt zum Schluss vom Kottan so lieb ang'schaut hat. Heinzi for President! W-Bär







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