Die Hummerg'schicht
W-Bär, 17.07.2006
   Es muss so ungefähr 1999 gewesen sein. Ganz sicher bin ich mir zwar nicht, aber irgendwas in der Richtung wird's schon sein. Und ich bin jetzt schon versucht um ein bis'l Nachsicht zu bitten, falls ich folgende Geschichte nicht mehr ganz so akkurat hinbekomm; ist ja doch schon alles ein ziemliches Randerl her.
    Es war wieder einmal einer jener Abende, an denen man sich nix Böses ahnend im Käuzchen traf, um ein paar Bierchen zu heben und die bevorstehende Ottenstein-Exkursion zu planen. Anwe­send waren unter anderem wie immer die üblichen Verdächtigen: der Schobre aka Peter Schober, der Dave aka David Hell, der Christian - formerly known as "the Viech", meine Wenigkeit und last but not least: der Meeresfruchtentwendungskaiser aka Wolfi.
   Irgendwer dürfte dann im Laufe der selbstauferlegten Biervernichtungsmaßnahme auf die blöde Idee gekommen sein in den Volksgarten zu flanieren. War ja erstens ned weit weg und zweitens feierte Claus Peymann an diesem Abend seinen Abschied. Und so was brauchte man uns Deppen ja nicht zweimal zu sagen. Keine halbe Stunde später standen wir inmitten hunderter Abschiedsgäste, die sich alle um einen mittlerweile bereits schwer genervten Claus Peymann versammelt hatten. Vor allem der Dominik Heinzl hätte einem fast leid tun können. Wenn er nicht so ein unsympathischer Hampel wäre, wohlgemerkt. Der ist nämlich den ganzen Abend lang samt Kameramann dem Peymann hinterher gelurcht, weil er ein letztes kleines Abschieds-Interview wollte. Aber der Peymann hat ihn ständig in die Wüste geschickt und ihm mehrmals gesagt, dass er sich schleichen soll. Was uns natürlich wiederum eine standesgemäße Schadensfreude sondershausen beschert hat. Frage nicht.
   Und da standen wir nun voller Tatendrang und beschlossen gleich einmal der Requisite den Kampf anzusagen und auf Plünderung zu gehen. Wer mit dem leiwandsten Trum zurückkommt hat gewonnen. Geendet hat's damit, dass der David und der Peter ein Marmor-Kaffeehaustischerl mitgehen haben lassen, und der Wolfi und ich einen riesigen 750 Watt schweren Bühnenscheinwerfer angezaht haben. Und dann hat uns auch noch so eine alte Stehlampe angelacht. Nach drei erfolglosen Entwendungsversuchen (beim dritten Mal sind's uns überhaupt nachgerannt und haben uns das Ding wüst schimpfend wieder aus der Hand gerissen), hatten wir beim vierten Mal aber doch den längeren Atem und der das hässliche Ding war unser.
   Außer dem entwendeten Diebesgut gab's aber auch noch eine andere Attraktion: ein mörder-Buffet. Da tränte das Auge. Vor allem weil wir dahergelaufene Wappler uns ned so wirklich drüber getraut haben.
   Nachdem der alte Dave dann endgültig einen kleinen Rappel bekommen hat, weil es uns unmöglich war an eine Riesenstelze Prosciutto zu kommen (das Ding war einfach nicht diebsfähig, weil da ungefähr lächerliche 45 Leute herumstanden und der Riesenschinken, obwohl schon angeknabbert, noch immer gute 40 Kilo wog und auf einem Filetier-Stock befestigt war. O-Ton David), sind wir auf einen Hummer aufmerksam geworden, der da ganz einsam und verlassen am Gabentisch dahinvegetiert ist. Und mehr hat's natürlich nicht gebraucht. Der Wolfi und der David haben sich angeschlichen und einen auf unauffällig gemacht. Und wer den Wolfi kennt, der weiß, dass er so was nie gekonnt hat. Das war ungefähr so wie wenn er damals beim billiardieren immer, wenn keiner hingeschaut hat, die Kugeln der gegnerischen Mannschaft wieder aus den Taschen geholt und auf den Tisch zurückgelegt hat. Und das mit einem derart breiten Grinser im Gesicht, dass jeder sofort gewusst  hat  was  gespielt  wird. Der typische Ich-hab-grad-an-Schas-gelassen-oder-einen-anderen-Blödsinn-angestellt-Grinser eben. Und genau den hatte er damals in dem Moment, als er sich das blöde Hummerviech geschnappt hat und in seiner Jacke verschwinden ließ, detto drauf. Nur um dann gleich mit ungefähr 67 Stundenkilometern laufend das Weite zu suchen.
   Und da sind wir dann gestanden. Mitten im Volksgarten, ein bisl Abseits vom ganzen Trubel, haben mit Rotwein  gegurgelt  (natürlich  detto  vom Buffet) und einen ganzen Hummer verspeist. Geendet hat dieser unvergessliche Abend dann damit, dass der David und der Peter das gefladerte Marmortischerl mit Peter's Radl nach Hause transportiert haben (woraufhin Peters Packlträger endgültig die Luft ausgegangen ist, weil sie das schwere, immer noch nach Fisch stinkende Trum, die ganze Lerchenfelderstraße entlang geschoben haben) und ich im Nachtautobus Richtung Hütteldorf gesessen bin. Mit einem aufgeschundenen Knie (zwischendurch wurden nämlich auch noch kurz irgendwann Enten gejagt. Oder waren's Gänse? Und warum zum Geier sind die dort überhaupt herumgewatschelt?), einem riesigen Rotweinfleck auf meinem weißen Hemd (den ich auch nur deshalb abbekam, weil wieder einmal jemand wild gestikulierend einen schlechten Witz erzählt hat... danke, Wolfi!) und jeweils links und rechts von mir der Scheinwerfer und die Stehlampe. Der Scheinwerfer sollte uns sechs Jahre später bei den Schweinepriester-Dreharbeiten noch gute Dienste erweisen. Die Stehlampe kugelt immer noch im Keller herum. W-Bär








Links:
Claus Peymann
In memoriam Wolfi

_retour