Konsumpalumpas
Mariella, 10.10.2011
   Ob klein, groß, dick, dünn, männlich, weiblich oder weder, noch - eine 20 Jahre dauernde, groß angelegte Feldstudie in ganz Österreich hat ergeben, dass die Umpa Lumpas des Konsums (gemeinhin als „Verkäufer“ bezeichnet) sich in sieben Kategorien einteilen lassen:

1: Der Zwanghafte
ob beim Schuhkauf, durchblättern einer Zeitschrift oder Anstellen am Klo im Einkaufszentrum, er berät. Selbst wenn man einen Kaugummi aus der eigens mitgebrachten Handtasche kramt, ist er da. Und hat selbstverständlich den passenden Vortrag parat. Zur Handtasche UND zum Kaugummi. Wenn man außerdem nicht aufpasst und etwas dabei zu Boden fällt, endet die einseitige Konversation nie mehr. Man möchte sich nicht vorstellen müssen, dass irgendwo deren Ehepartner sitzen.

2: Der Provisionsbasierte
egal welcher quergeschtreifte Fetzen gerade sackartig aber trotzdem Falten werfend an einem herunter hängt, so dass man aussieht wie der erste Frischhaltefolie-Einwickelversuch eines Volksschülers, es steht einem „ganz wunderbar“ und die Leute „werden Augen machen“, vor allem, wenn man es noch „damit“ kombiniert. Von weitem erkennbar ist dieser Konsumpalumpa daran, dass auch er outfittechnisch vor nichts zurücktzuschrecken scheint, sich quasi mit Geschmacklosigkeit tarnt. Hinterlistige Exemplare verstecken sich allerdings auch gerne hinter einer biederen Fassade, vermutlich um sich anschließend über Ihr Werk kaputtzulachen. Denn an dieser Stelle soll die Hypothese aufgestellt werden, dass dieser Typus ein internes Ranking an verkauften Abartigkeiten führt, in oder mit denen der Kunde zurück in die Öffentlichkeit geschickt werden konnte.

3: Der Unauffindbare
man erzählt sich, es gibt ihn. Gelegentlich soll er schon scheu vorüberhuschend gesichtet worden sein. Kabarettabende enden seinetwegen erfolgreich. Doch niemand hat ihn je wirklich gesehen oder konnte gar seiner habhaft werden. Viel zu klug, zu schnell und zu gut bekannt mit dem vorherrschenden Terrain ist er möglicherweise sogar ein netter Zeitgenosse. Man wird es aber nie erfahren.

4: Der Helfersyndrompatient
noch kurz vor dem Türsensor erkennt er den Kunden, noch bevor die Tür aufgeschwungen ist, ist er da, der Patient. Schon der erste Schritt in den Laden wird durch dessen Körpereinsatz und der typischen Begleitnervaufforderung „Kann ich Ihnen helfen??!!“ zur Unselbständigkeit umerzogen, denn dieser Satz ist keine Frage, sondern eine Anordnung. ‚Wehe wenn du hier was anfasst, du musst mich zuerst fragen weil ohne mich bist und kannst du nichts!’ ist der Subtext, der von unerfahrenen Kunden gerne mit einem „Danke, ich schau nur mal durch“ lapidar abzuwenden versucht wird. Der Profipatient lässt dies mit einem milden Lächeln zu, folgt einem aber auf Schritt und Tritt um nur ja nicht den Moment zu verpassen, in dem man dann doch was von ihm braucht, auch wenn es nur der Kassabon ist. Durch das mittlerweile süffisant gewordene Lächeln tönt dann der noch einmal ausgesprochene, weil eingangs offensichtlich aus Blödheit nicht erkannte, Schlachtruf: „Kann ich Ihnen helfen!?“ NEIN!!!! KANN ICH?!?

5: Der beste Kunde
Worüber sich an dieser Stelle einmal gefreuet werden darf ist, dass er offensichtlich genau den richtigen Job gefunden hat. Denn er ist ständig dabei, das vorhandene Sortiment durchzublättern, -probieren, -kosten, -hören oder -sehen. Worüber man sich weniger freut, ist, dass er dabei nicht nur im Weg steht und den Einkaufsvorgang behindert, der Vertreter dieses Typs fühlt sich auch noch von Kundenanwesenheit gestört und gibt das durch eindeutige Körpersprache zu verstehen. „Geht’s scheißn!“ ist im praktisch auf die Stirn tätowiert.

6: Der Verkannte
Körpersprachlich mit dem besten Kunden verwandt, ist er ihm inhaltlich nur in seiner Abneigung gegen Konsumenten gleichgesonnen. Da er nämlich viel zu talentiert, zu schön und zu gut ausgebildet ist, um sich in irgendeiner Weise vor Ort zu engagieren, dient die momentane Situation nur als Übergangsphase zum großen Durchbruch. Dadurch erspart er sich sowohl Sachkenntnis, Hilfsbereitschaft, als auch ganze Sätze.

7: Der Mustergültige
während dieser 20-jährigen Studie wurden nur insgesamt 2 Exemplare dieses Typus gesichtet. Zuversichtlich soll an dieser Stelle angenommen werden, dass es bald da draussen ihrer Tausende geben wird! Um dieses Projekt zu unterstützen, nachstehend ein kleiner Aufruf an alle (künftigen) Konsumpalumpas der Kategorie 7:
   Liebe Verkäufer, lasst uns bitte in Frieden. Gebt uns zu verstehen, dass ihr da und uns wohlgesonnen seid und wir werden euch gerne, höflich und wissbegierig aufsuchen, sobald wir eure Hilfe benötigen. Wir sind nämlich schon groß und können uns artikluieren bzw. finden, was wir brauchen - immerhin auch dieses Geschäft. Und wenn nicht, liegt es nicht an euch. Mariella








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