Kunst!, Ihr Banausen ... (III)
Burt Viola, 22.5.2013
   Was soll ich sagen, das Universum der Liebe des Frauen- und Männertums ist ein unendliches. Da gibt’s Süsses und Schönes wie in Franz Antel Filmen, aber auch Tra­gisches und Wütendes auch wie in Franz Antel Filmen. Trotzdem wenden wir uns heute nicht dem Franz Antel zu sondern einem jungen Lyrikerkollektiv namens Vualaut Buam. (ganz schön frech…) Diese jungen Menschen haben sich dem österreichischen Mundartgedicht ver­schrieben und in diesem Falle der ruppi­gen Seite der Liebe. Da wird gezwickt und gerempelt, da wird Zunge und Schlecker­batzl gezeigt, gespuckt und Haxl gestellt. Oder aber auch ganz anders wie in dem Gedicht:

Da Totnvogl

Moi da auf dei kriegsbemalung
du hängst auf mia wiara muads staa, der wos mi owezaht
reiß au des zündhözl und i brenn di nieda
Wir san wia zwa Bluza im Summa
Verbrennen den ganzn Himme‘
Dann kummts, die Flut

Moi da nur auf die Kriegsbemalung

Zebrastrafn auf da Strossn und Strafn am Heaz und verreckte Hoffnungen
Und sübane Woikn mit graue Strafn

Wir hoin uns die Wöd wieda von die mitn Heazkaschpal
An Trottl nachn andern, wir holns uns wieda
Und die Zeit zaaht sie wira Schas wennst auf dei Liad woatst
Tanz afoch wias da dei Heaz vurpumpert

Huach zua Frischgflauchte
Kummts da ned so vua
ois tät mas ois ned darennan
I vadrah di wira Koaknziaga
Und dann ziag i di aus da Oschn wia n Totnvogl

Ziag aus unsere oide Ölendspanier
I glaub mia passts bessa
I vadrah die wir an Koaknziaga
Und dann ziag i di aus da Oschn wia n Totnvogl

Brings wieda ham unsare Buaschn und demolier die Paunza
Suach da an Gschamstara und moch a poar Bankn
Weu hinta dera Budl steht die ganze Wöd
Und mia stengan davoa mit unsare schwoazn Loafn
„Du host uns innwendig einegschissen“ steht aufn Zettl den ma hihoitn

In Kriag homma gwunna
No bevor a augfanga hat
Lass fliagn die Taubn
Packl mit da Liebe
Wachl mit weißn Schneitzquadrat

   Zuerst gibt’s kräftig eine aufs Maul und dann werden ein paar fliegen gelassen, Tauben nämlich. Eh alles wieder gut. Wie die Burschen es hier verstehen diesen Konflikt dramaturgisch aufzubauen und Spannung zu erzeugen (Kriegsbemalung, Feuer, Fluten) da fliegt einem glatt das Blech weg vor lauter Bewunderung. Nur um dann in Bonnie & Clyde-Manier der Welt als ganzer in den Arsch zutreten und die Schuld kollektiv an eh all zu verteilen. Schwitzgebadet fällt man in Ohrensessel beim Lesen der letzten erlösenden Worte. Puhh, nochmal alles gut gegangen. Die Liebe hat wieder einmal gesiegt und der Scheidungsanwalt kann zu Hause bleiben. Genau wie bei Franz Antel. bv








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Kunst!, ihr Banausen (I)
Kunst!, ihr Banausen (I)

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