Leopold Gratz hat sich verabschiedet
Dave, 6.3.2006
   leopold gratz hat sich verabschiedet. er wollte nicht mehr. ging. ist tot. er ist, war, vor allem den nun dreißigjährigen (und natürlich älteren) ein begriff. weniger bekannt dürfte er unter den jüngeren sein. dafür waren seine leistungen und sein charisma wohl zu dürftig. aber die jahrgänge 75 und abwärts haben ihn voll abbekommen. und eigentlich war er ein ganz sympathischer kerl. ein volksnaher. einer wie uns. ein grund, warum er auch liebevoll whiskey-poidl von den wienern, deren bürgermeister er elf jahre war, genannt wurde. er war kein mensch grosser worte. und das letzte wort hat der 76-jährige mit ins grab genommen.
   wer war aber nun dieser gratz? ein ehemaliger politiker. gut. aber was machte ihn aus? es gibt leute die meinen, das gratz vor allem gerne feierte und lustig war. eine fertigkeit die nicht jeder drauf hat. viele verweisen auf die rote triade. er und seine sozialistischen mitstreiter und busenfreunde fred sinowatz und charly blecha haben sich angeblich in alkoholgeschwängerten runden nichts entgehen lassen. die runden, da sie beieiander saßen, sollen legendär gewesen sein. alkohol ronn dabei wie anderswo wasser aus undichten hähnen. fette gerichte gesellten sich zu den weingläsern, die schließlich von schnapsbehältern abgelöst wurden.
   nun, die feiern sah man den dreien gleich an. die nase von fred sinowatz hat beispielsweise richtig geglüht. dunkel-orange-rot. wie ein heißgewordener kolben in einem motor, der zuwenig öl erhält und am rauen metall reibt. charly blecha ging einen anderen weg der körperlichen erweiterung. sein äußeres formte sich immer stärker zu einem weinfass. er roch auch so. und der poidi hat auch nicht mehr so fit ausgesehen. zuletzt. was sich auch in seinem niedergang manifestiert hat.

   wie auch immer. gratz hätte eigentlich ein ganz großer werden können. einer mit eigener straße oder einem nach ihm benannten platz. aber so wird vermutlich nur ein saal im ögb-zentrum nach ihm benannt werden. der leopold-gratz-saal. der, für feierliche kundgebungen. an einer wandseite wird vielleicht eine eigene fläche angebracht, vielleicht aus bronze, einmaleins meter, in 1,90 m höhe und dort das erhaben herausgearbeitete konterfei. so wird er künftig runterlachen. ganz seine art. frech und verschlagen.
   der grund, warum gratz nicht zu mehr berühmtheit gelangte: er hatte einfach pech. die reichsbrücke stürzte ein als er drei jahre wiener bürgermeister war. zuerst bauring-affäre und kurze zeit später auch noch der akh-skandal fielen in seine amtsperiode. die ungereimtheiten rund um das rintermüllzelt wurden ihm angelastet. und schließlich die lucona-affäre. über die ist er erbarmungslos und endgültig gestolpert. sie kostete ihn seine politische karriere. und das obwohl er, und blecha und sinowatz, in sachen lucona freigesprochen wurde. gut, das gericht war damals nur von seiner schuld nicht ganz restlos überzeugt. daher der freispruch. aber so ist das nun mal.

   mit freude aber erinnere ich mich an die zib aus dem jahr 1990 (schätze ich mal so). die drei heinzis kurz vor der verhandlung: gratz, blecha, sinowatz sitzen im blitzlicht-gewitter ganz ruhig und bedächtig auf einem schmalen holzbankerl. alle drei hatten diesen blick, dieses schmunzeln auf den lippen, als hätte einer von ihnen gerade einen hundsordinären witz erzählt oder einen übelriechenden darmwind abfahren lassen. und diese ruhe. so als würden sie gerade auf der bellevue sitzen. an einem lauen sommernachmittag. und den dreien gehts voll gut. sie schauen in gedanken auf das vor ihnen liegende wien. und der gratz fragt: "was sehts ihr da unten?" und der blecha antwortet: "60,2 prozent sozialisten, 29,3 prozent schwoaze und den rest erkenn i von da oben ned."tja, die gemeinderatswahlen von wien aus dem jahr 1973 sind lange her. es hat sich viel getan. und nun höre ich sogar, dass der verstorbene, ex-nationalratspräsident, ex-unterrichtsminister, ex-außenminister, ex-wienbürger-meister, ex-mensch, doch zu seiner vollen und ihm gebührenden ehre kommen soll. eine noch unbekannte gruppe hat heute früh eine petition im nationalrat eingereicht, der zufolge, die steirische landeshauptstadt graz in gratz umbenannt werden soll. das wäre einfacher als den selben vorgang für wien zu machen. die chancen stehen nicht schlecht. und billig ist es obendrein: denn die kärntner haben noch ein wenig lack von der unterbliebenen ortstafel-umfärberei übrig. das könnte man doch lässig für die neuen tafeln verwenden: gratz und gratz-ende dave, der rasselnde reporter








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