Oh Tannenbaum oder die Traditionsmarke
Mariella, 9.12.2011
   Alle Jahre wieder kommt das Chris­tus­kind. Und mit ihm das Gfrett mit unseren Weihnachtsbäumen. Da es immer un­be­dingt eine Tanne sein muss, aus Prinzip kein Baum gekauft wird und im haus­eigenen Wäldchen ohnehin jedes Jahr irgendetwas durchforstet werden muss (und damit weg gehört), ist die Ansehn­lich­keit unserer Weihnachtsbäume, nun, sagen wir einmal enden wollend. Dies ist schon an und für sich traurig, macht aber ein "aufputzen" derselben praktisch unmöglich - sie sehen immer irgendwie erbärmlich aus. Entweder es fehlt ihnen eine Rückseite (neben einem "richtigem" Baum gestanden, der selbstverständlich viel zu schade ist, um als Christbaum missbraucht zu werden), haben insgesamt nur 3 Astquirl (im Wachstum), sind schief (Hanglage), geknickt (irgendwer draufgefallen, vermutlich ein Reh), braun (weil nie Licht gesehen) oder so klein, dass die Äste selbst beim kleinsten Weihnachts­sternchen kampflos aufgeben. Man hat mittlerweile sogar schon den Christbaum­schmuck an die schmählichen Bäumchen angepasst und das Zierlichste und Leichteste gekauft, was an Weihnachtsschmuck auf dem Markt erhältlich ist. Doch dem 2009er Exemplar (Anflugbäumchen, etwa 50 cm hoch, gebrechlich, 2 Astquirl mit jeweils 5 "Ästen" in Soletti-Stärke) war selbst das zu viel. Das einzig schöne an unseren Bäumen: erstens sind sie wie Überraschungseier - man weiß nie ganz genau, was auf einen zukommt und was an baulichen Veränderungen notwendig sein wird, um daraus "etwas" zu zaubern. Zweitens: sie fördern die Kreativität - sowohl jene des Betrachters als auch (besonders) jene der Person (ich), die aus 10 Ästen und einem Karton Christbaumschmuck Weihnachtsstimmung zaubern soll. Und drittens: sie werden langsam zu einer Art Traditionsmarke und neuerdings auch schon in fremden Gefilden wiedererkannt: als eine Nachbarin in äußerster Not unseren "Reservebaum" (und das ist das eigentlich Schlimme: die Bäume, die wir besingen sind jene, die als Sieger aus einem Begutachtungskontest hervorgegangen sind!) als Weihnachtsbaum in ihrem Haus aufzustellen gezwungen war und uns am nächsten Tag zu Kaffee und Kuchen einlud, entdeckte meine Mutter sofort das abhanden gekommene Familienmitglied: "Mai, so a schiachs Bamal, wo hostn des her!" Ledig­lich heuer, lags an den ständigen Schmähungen, oder an besonderer Weihnachts­stimmung wurde ein, schon geradezu als "Forstschschaden" zu bezeichnender Baum aus den Tiefen des Waldes geholt: wunderschön anzuschauen, von geradem Wuchs, buschig, groß, grün und stattlich. Wir konnten es kaum fassen. Jetzt muss ein neuer Christbaumschmuck her - den Alten sieht man nicht. Mariella








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