Ottenstein Reloaded
Markus, 12.1.2004
Ottenstein - Die Legende oder Psychohygieneseminare für den modernen, jungen Mann im Waldviertel

   Ja, ja ein Jahr musste wieder ungenutzt verstreichen (2002), um den immer­währ­enden Ottenstein-Zyklus (auf 2 erfolg­reiche Sommer-Seminare folgt ein Jahr Pause) zu erfüllen. Aber nun war 2003 gekommen und Witterungsverhältnisse so­wie Terminkalender waren uns ge­wo­gen. Frohen Mutes packten wir also unsere Habseligkeiten in unsere vier­spuri­gen KFZ, durchmaßen das Wein­viertel, um schließlich das Waldviertel zu gewinnen.
   Manche von uns waren so trunken vor Freude, dass sie die Abfahrt von der Bun­des­straße Richtung Ottenstein in ihrer Glückseligkeit ungesehen links liegen ließen – nämlich Wolfi, Markus K. und, tja, meiner einer. Flexibel im Denken und Handeln wie wir aber nun mal sind, nutzten wir dieses Missgeschick gleich dazu, allfällige Einkäufe in Zwettel zu erledigen. Zeit hatte uns ere mobile Einheit ohnedies schon vorher liegen gelassen.
   Kurzer Einschub: Wolfgang, der Musikus, musste nämlich noch im Vorfeld der Abreise einen in Wien 5 ansässigen musikequipmentvertreiber aufsuchen, um ein für ihn unerlässliches Teil zur Beschallung von Bierzelten käuflich zu erwerben. Die anschließende Prüfung seiner Kreditwürdigkeit führte aber alle daran Beteiligten an ihre Leistungsgrenzen. Da glühten die Schaltkreise des Rechners, tränte das Auge des Verkäufers und runzelte die Stirn Wolfgangs! Am Ende war aber alles gut und die Fahrt konnte nach eineinhalb Stunden wieder aufgenommen werden. Einschub Ende.
   Am Zeltplatz angekommen fingen wir sogleich an, das Unterholz nach Brennbarem zu durchforsten und unsere Liegestatt aufzubauen. Daniel, Kraftfahrer von Beruf, erfreute die ganze Sippschaft mit einem Mitbringsel der besonderen Art: ein aufblasbares Schlauchboot! Ohne lang zu zögern ging`s hinab an den Strand. Mit großem Hallo wurde unser neues Spiel­zeug zu Wasser gelassen und der ge­gen­über­liegende Felsen in Angriff genommen. Da nicht alle von uns Platz im Schlauch­boot fanden, mussten einige mit Schwim­men vorlieb nehmen. Markus K., von jeher zappelig, hielt es nicht lange aus, untätig im Gummischiffchen zu sitzen. Um seine überschüssigen Energien abzubauen, sprang er in den See und setzte sich mit heftigen Schwimmbewegungen von den anderen ab. Nicht ohne vorher seine Uhr dem guten Daniel anzuvertrauen. Als dieser aber seinen Freund prustend und lachend im Wasser plantschen sah, wollte auch er nicht länger mit strammem Arm das Boot gen Felsen steuern, und sprang flugs hinterdrein. Umsichtig wie er aber ist, übergab er Markusens Uhr an Kapitän Wolfgang, der dieselbe sorgsam auf dem Boden des Bootes deponierte. Doch, ach weh, was fiel den beiden aufgekratzten Buben dann ein! In kindlichem Übermut beschlossen sie, das Gummiboot mitsamt dem darin sitzenden Wolfgang zum Kentern zu bringen. Fortan ruht die gute Uhr am Boden des Stausees. Auch mehrere beherzte Tauchgänge brachten sie nicht mehr zu Tage. Fürwahr schwierig zu sagen, wer am Verlustiggang des Chronometers die Schuld trug! Helmuts spaßige Sprünge vom Todesfelsen ließen aber bei Markus die Krokodilstränen schnell trocknen und das kleine Regengesicht konnte bald wieder lachen.
   Der Hunger trieb uns schließlich wieder zurück zu unserem Lagerplatz. Wolfgang entfachte mit gewohnt großem Eifer ein wärmendes Feuer und das Fleisch konnte einer Grillung zugeführt werden. Wir labten uns an den köstlichen Speisen und mit Anbruch der Dunkelheit setzte ein wackeres Zechen ein, bei dem keiner dem anderen nachstehen wollte. Manch einer verlor dabei Maß und Ziel. Max, durch den Alkohol benebelt, schob seine gute Kinderstube beiseite und urinierte un­be­dacht neben Christians Zelt. Brummend verlieh dieser seinem Unmut Ausdruck und Wolfgang wies das kleine Ferkel mit scharfen Worten zurecht. Aber auch Helmut fiel durch Gröhlen und Lallen gehörig aus der Rolle und vertrieb so den sensiblen Daniel von seinem Schlauch­boot, das er sich als Sitzgelegenheit zurecht gerichtet hatte. Erst spät in der Nacht erfüllte uns süßer Schlummer und es kehrte Ruhe ein.
   Am nächsten Morgen ging es auf nach Zwettel. Die aufgebrauchten Vorräte mussten ersetzt werden. Unter Schneidas kundiger Führung wurde zunächst der hiesige „Billigladen“ gestürmt sowie dessen Lager geräumt. Sodann lenkte Alex, Sparsamkeit einmahnend, unseren Blick auf den daneben angesiedelten Hofer. Unbekümmerten Gemüts begaben wir uns in den Edel-Diskonter. Alles schien seinen gewohnten Gang zu gehen, bis Daniel und ich mit voll beladenem Wagen die Kassa erreichten. Schon wurden wir von der Kassiererin mit gestrengem Blick gemustert. Sie meinte wohl, dass der Umfang unseres Einkaufs sehr bescheiden aussah. Barsch und mit dem Charme eines Spieß versehen herrschte sie Daniel an, zwei von einem vorangegangen Kunden zurückgelegte Fruchtplunder ebenfalls käuflich zu erwerben. Dieser gab mit angsterfülltem und um Hilfe flehendem Blick das Zepter der Entscheidung an mich weiter. Ich antwortete mit einer Gedankenpause, die sich gewaschen hatte. Im selben Moment erklang schon das unfaire PIEEEEP, wie es nur Hofer-Scannerkassen zu intonieren verstehen. Schon waren die Fruchtplunder eingelesen und mit auf der Rechnung. Mutig und in scharfem Ton willigte ich in den Kauf der ungewollten Süßspeise ein. Nicht ohne Stolz und erhobenen Hauptes verließ ich das Geschäftslokal und beförderte unsere Einkäufe schwungvoll Richtung Auto. Der hatte ich's gezeigt!
   Zurück ging`s Richtung Zeltplatz. Doch, der Jammer war groß, erste Schlecht­wetter­wolken kündeten von kommenden Regengüssen. Wir nützten die uns ver­bliebenen Sonnenstunden zu einem erquickenden Bade im See und brachen anschließend unsere Zelte ab. Ohnedies stand wieder einmal das LKH Zwettel am Programm, da sich ein hinterhältiger Zeck in unseren Chriz verbissen hatte, der, säumiger Weise, über keinen Impfschutz verfügte. Im Anschluss verschlug es uns auf das Mayerhofer`sche Anwesen in Maria Taferl, ca. eine dreiviertel Stunde von Ottenstein entfernt. Was dort, inspiriert durch Bier, Schnaps und tödliche Langeweile geschah, davon zeugt der äußerst gelungene Film „Bloody French – Blutgericht in Maria Taferl“. Tags darauf starteten wir unsere Odyssee nach Horn. Wolfgang, er war früher Fährtenleser, hatte die angenehme Pflicht für seine gute alte Bekannte Julia Stemberger und deren Freunde ein Konzert auf der Rosenburg, unweit von Horn, zu spielen. Eingedenk seiner Talente als Pfadfinder empfahl er eine Abkürzung, die uns nach bereits zweieinhalb Stunden die Tore Horns erblicken ließ. Keiner von uns kam umhin, sich bei ihm für seinen klugen Ratschlag zu bedanken.
   Während Wolfgang für Freundin Stemberger zum Tanze aufspielte, vertrieben wir anderen uns die Zeit in der sehr imposanten Metropole Horn. Nach einigen Stunden, dem Billard und Würfelpoker müde geworden, nahmen wir nochmals den Weg auf die Rosenburg auf uns, ließen Chriz , Wolfgang und Mazda 323 dort zurück und verabschiedeten uns, die Hand zum Gruße hebend, endgültig für dieses Jahr vom mystischen Waldviertel. Natürlich mit dem festen Entschluss 2004 wiederzukehren ... mk

... weiter geht's mit 10 Jahre Ottenstein!





  
Links:
Ottenstein - die Legende
10 Jahre Ottenstein
Bloody French

_retour