Summertime and the living is easy ...
Burt Viola, 15.9.2003
Summertime and the living is easy ... od. Ein Elaborat des Schönen und Guten. In Memoriam Johnny Cash (1932 - 2003)

  Der Sommer, fragst du mich? Wie mein Sommer war? Welch banale Frage, mein Freund. Mir ist bewusst, wir sahen uns jetzt mehrere Monate nicht, somit hat die Frage durchaus ihre Berechtigung. Fein. Ach, du meinst also es war keine, von dir, allgemein gewählte „Wie-gehts-dir“Flos­kel? Eine Frage, einfach wie sie klingt, hinterlegt mit tiefem Interesse und aus­reichend Zeit um ausholend der Antwort zu lauschen? Na dann: der Sommer war lang. Der Sommer war heiß. Der Sommer war lustig. Der Sommer war traurig. Es geschah viel. Es geschah nichts. Der Sommer war. Nun ist es bereits Herbst - abends, es hat abgekühlt. Ich sitze in meinem Ohrensessel, den ich aus meinen zahlreichen Reisen aus Nordengland mitbrachte, mit dir mein Freund, und sehe gedankenverloren aus dem Panoramafenster die fernen Berggipfel, die ewigen Gletscher, kannst du sie erkennen? Was hat sich getan, was wurde gelernt, was verlernt? Was war Neu, welches Alte verging; entfleuchte durch die ewige Hintertür?

   Es begann so erfreulich. Der Sommer wurde mit einer Festivität, einem Reigen der Fröhlichkeit eingeläutet. Meine Hände halten sanft ein paar Photos. Ich fühle wie ich Fingerabdrücke auf der glänzenden, glatten Oberfläche hinterlasse. Hier, sieh mal. Mein übergeschlagenes Bein wippt zum Takt vergangener Melodien. Hörst du sie auch? Ich schließe die Augen, immer noch brennt mir das Bild der Gletscher auf der Netzhaut. Die Unendlichkeit, das Ewige dieser weißen Riesen lassen mir ein Träne über die Wange laufen. Wieder betrachte ich die Photos. Das Ewige kommt mir immer wieder in den Sinn. Es war ein Fest für die Ewigkeit. Ein Bruder der mächtigen Gletscher, die mir, über Kilometer hinweg, hier in mein Arbeitszimmer leuchten. Die Photos zeugen von Großem, Ehrwürdigem. Ich muss in mich hineinlächeln, so viele Erinnerungen leben noch so klar und deutlich in meinem Kopf. Viele gute Freunde und Bekannte aus aller Welt, Transdanubien, Burgenland Niederösterreich usw., usf., beehrten uns mit ihrer Anwesenheit.

Anstrengende Tage im Vorfeld

   Donnerstag, 12.6. Hacke: Unnötigen Menschen Lebensmittel servieren, so tun als würde man das gerne tun, diese Dumpfsäcke mit einem falschen Grinser bescheißen, danke sagen für ein mieses Trinkgeld, ihnen in Wahrheit faustgroße Pilze an die Geschlechtsteile wünschen,... die Bude war voll wie sonst nur der Puff am „Tag der offenen Tür“

   Freitag, 13.6. Einkaufen mit MM, hat wieder einen arschvoll gekostet, Slaviza kannte mich noch und ging profilaktisch in Deckung, wieder wurde nicht aufs Fließband gekotzt. Rennerei von Pontius zu Pilatus, mit Umwegen über Mickey und Maus.

   Samstag, 14.6. Der selbe Müll wie zwei Tage zuvor, Hacke, die Motivation strebt unendlich der Null zu, noch mehr Menschen mit potentiellem Pilzbefall, langweilige Geburtstagsfeierer...

   Sonntag, 15.6. Ich und meinen Beinen verlangt es nach Erholung, Diana mit Menthol, dass tut wohl, hätte ich eines gefunden, meinen Beinen wäre einer abgegangen, Aber weißt du was, mein Freund, es war mir jede verdammte Sekunde wert!

  Der Abend des 13. 6. entschädigt für all die Mühen und Plagen der umkränzten Tage. Dieses bescheidene Grillfestchen hat Arsch getreten!

   Und das war erst der Anfang. Was damals so schön begann setzte sich ansatzlos fort. Weiters durfte ich ein paar nette Tage in der Wildnis verbringen. Heissa, war das ein Spaß. Sich mit guten Freunden aus der Bildungspolitik, Freunden aus dem Literati-Cirkel und kunstschaffende in all ihren Facetten, ein paar Tage der Natur hinzugeben. Ich weiß noch die langen Nächte am Lagerfeuer wo wir über Schopenhauer und Kant, Bruce Willis und Vin Diesel, Marx und W. Bush, Donald und Daisy in fröhlicher Leichtigkeit diskutierten... ach, ich beginne zu plappern, verzeih mir teurer Freund. Du wirst verstehen, die Begeisterung übermannte mich. Doch willst du mehr darüber erfahren, frage bitte nicht mich. Da darf ich dich dezent auf unseren offiziellen Chronisten dieser Waldviertler-Safari hinweisen, der dir da sicher kompetenter zur Seite stehen kann. Du weißt schon wen ich meine.
   Tja, was soll ich sagen. Die Sommer blieb was er bisher versprach. Es folgten erholsame Tage in Kärnten, wo ich mir im Kreise gelehrter Köpfe, wieder so einiges unnützes Wissen aneignen durfte. Hier sieh, eine hübsche Aufnahme, oder? Er hier, fragst du? Nein, erst 29 Jahre, doch ich weiß was du meinst. Trotzdem ein guter Kerl. Die nächsten paar Wochen verbrachte ich in Wien. Meiner Stadt. Meiner großen Liebe. Doch davon ein andermal.

   Der August zog ins sonnenverbrannte Land und unsere illustre Runde freute sich aufs ferne Griechenland. Die Wiege des heutigen Europa. Land der größten Köpfe unserer Menschheit. Platon, Sokrates, Aristoteles. Ich habe sie alle studiert. Nun durfte ich den Ort ihres Wirkens mit eigenen Augen sehen. Ich war aufgeregt wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal Ringelspiel im Wiener Prater fahren darf, wie ein Hund dessen Herrchen, nach Monaten im Krankenhaus und einer Leber­trans­plantation, wieder nach Hause kommt. Ich wollte dieses alte, ursprüngliche Wissen mit all meinen Sinnen aufsaugen.
   Was sich dann auf bewahrheiten durfte. Ich fand ausreichend Zeit und Muse, mich diesem großen Wissensschatz hinzugeben. Es herrschte eine unheimliche Ruhe und Stille auf diesem paradiesähnlichem Eiland. Die klare Luft und das noch klarere Wasser, führten mich zu einer Klarheit in meinem Denken, wie ich es selten erleben durfte. Mein gesamtes intellektuelles Volumen wurde mir offengelegt. Auch die Menschen um mich herum, sowohl die Eingeborenen als auch unsere kleine Reisegruppe war von dieser Klarheit beseelt. Die Menschen fanden in sich und waren eins mit ihrer Umwelt. Sieh nur, hier, die Photos. Wie buddhistische Mönche, was?
   Siehst du, mein kluger Freund,... warum ich klug sage? Du hast natürlich recht behalten, eine jede noch so banal-einfache Frage kann durch Interesse und Aufmerksamkeit in ihrer Antwort erblühen wie eine Rose an einem Sommermorgen.

   Nun also, das war's. Ich hoffe dich nicht gelangweilt zu haben. Ich habe versucht mit meinen bescheidenen Mitteln, dir meine Erlebnisse dieses Sommers zu ver­deut­lichen. Dir meine Begeisterung und immer noch andauernde Freude, darüber, gut transportiert zu haben. Und weißt du was, es wird andauern. Denn nichts, schon gar nicht der Herbst und gar der Winter, kann uns, bescheidenes Grüppchen davon abhalten weiterhin an unserem Ziel zu arbeiten, der Eroberung der Welt. Und so wird es auch im Herbst weitere Highlights in unserem wilden Treiben geben. So manche Großveranstaltung steht noch ins Haus, mein Freund. Bereite dich darauf vor. Es wird Groß. Es wird entsetzlich. Es wird preisprämiert. Doch davon, von anderer Stelle ein anderes Mal. In diesem Sinne, Freund, reiche ich dir meine Hand zum Abschied, und verspreche, mich, in aller Demut, baldigst wieder zu melden. bv







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