Schwarze Löcher
Mariella, 24.4.2012
   Führende Wissenschaftler beschäftigen sich mit Ihnen, studieren, analysieren und beobachten sie. Man versucht hinter ihr Geheimnis zu kommen, sie zu erforschen oder wenigstens glaubhafte Hypothesen darüber anzustellen, wie sie es schaffen, Materie aller Art, Größe und Formen in sich aufzunehmen. Selbst ihre Be­sitzer­innen stehen oft ratlos davor und grübeln über deren Funktionsweise. Und Männer beschäftigen sich ohnehin schon seit Jahrzehnten damit.
   Die Rede ist von Handtaschen. Genauer: von jenen modischen, kleinwagengroßen Schmuckstücken, die die Frau von heute schon seit gestern mit sich trägt. Es kann schließlich kein Zufall sein, dass der Begriff „schwarzes Loch", wie auch die ausladende Handtasche in den Endsechzigern des 20. Jhdts ihren Ursprung haben. Von der Geldtasche bis zur Mappe über die Sonnenbrille und diversen Einkäufen hat einfach alles darin Platz. Und zwar jedes Mal. Denn es ist praktisch unmöglich, die darin vermuteten Gegenstände aus dem sich zu einer Gesamtmaterie zusammengeschlossenen Sammelsurium abzusondern und nach außerhalb zu transportieren. Die moderne Forschung bezeichnet dieses Phänomen auch als einen „inneren Raumbereich", in dem die Raumzeit so stark verzerrt ist, dass nichts von innen nach außen gelangen kann. Das leuchtet in diesem Kontext ein. Dass sich in diesen schwarzen Löchern zwischenzeitlich bereits Lagen und Generationen von Dingen angehäuft haben, merken die werte Besitzerin wie auch die Wissenschaft nur an der verstärkten Gravitation durch abnorme Gewichts­zunahme. Der Tasche, versteht sich. Der verzweifelte Versuch, dem ein Ende zu setzen, meist von den hoffnungsvollen Worten „Moment… gleich hab ich's…" begleitet, ist unter Wissenschaftlern bekannt als der so genannte „Ereignishorizont", der umso länger wird, je größer das schwarze Loch ist. Frei übersetzt beschreibt dies die Zeitspanne zwischen dem Hoffnungsschimmer, der der Suchenden suggeriert, etwas wieder finden zu können und dem Erkenntnismoment, ab dem beschlossen wird, das verlorene Objekt noch einmal zu kaufen, um es dann flugs wieder in der Handtasche verschwinden zu lassen. Bis es das nächste Mal gebraucht wird. Und gesucht. Allerdings seien abschließend sowohl die werten Leser, als auch das Gleichgewicht des Universums beruhigt: Gerüchten und der Stringtheorie zufolge sollen bald kleinere Versionen, so genannte „schwarze Mikro-Löcher", in Laboren hergestellt werden können. Das ist dann auch viel praktischer. Mariella








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