Sido Heesters od. die Oid'n war'n auf einmal wieder jung
Burt Viola, 28.2.2005
   Ich hab´s getan! Lange konnte ich es aufschieben, hinauszögern, mich dagegen währen. Doch nun ist es endlich (leider) geschehen. Unvorbereitet. Es traf mich wie ein Blitz. Die Folgen wurden mir erst im nachhinein bewusst. Das Ganze be­gann an einem unschuldigen Samstag Nachmittag. Ihr (nun) armseeliger Autor war unterwegs. Mit M. Ein Bekannter. Mittlerweile hat es sich so eingebürgert, dass wir zwei alten Säcke gerne mal Samstag Nachmittags speisen gehen. Jawohl, sg. Leserschaft, sie haben richtig gelesen. Wir gehen Essen. Was ältere Menschen nun mal so tun. Schon länger quälte mich dieser Gedanke. Wie alt muss man werden um sich derartigen Dingen hinzugeben. Werde ich jetzt auch bald beginnen mir ernsthaft einen Job zu suchen? Mir einen vernünftigen Kleinwagen mit Dieselantrieb an die gebrechliche Seite stellen? Mir einen Hund zulegen, gar eine F...... (aus pietätsgründen ausgeblendet) gründen. Ist es das? Beginnt damit das/ mein vernünftiges Erwachsenen-Dasein? Essen gehen am Samstag Nachmittag ? In einem kleinen, gar lieblich anzusehenden Wirtshaus in Wien-Spittelberg. Unser Herr Ober ist äußerst zuvorkommend, die Atmosphäre gediegen. Dunkles Holz vermischt mit dunklem Rot. Kein Velur! Die Speisekarte wird galant gereicht. Dunkelrote Tischdecke, Stoffservietten, Blumenschmuck. Im Hintergrund schleichen sich opernhafte Melodien in meine Gehörgänge. Das Menü wir geordert. Süppchen frisch vom Fritattenbaum gepflügt, ein Gulyas, rotbraun gehalten, versehen mit Würsten (in Teilchen zerhackt!) und Grundbirnen die sich, aufgrund der Überlegenheit des chefköchligen Chefmessers, in kleine quadratische Würfelchen wandelten. Als Abschluss, serviert auf einem Lkw-Lenkrad großen Teller, ein Suppensilberlöffel großer Schiss Mousse au Irgendwas, garniert mit feinstem Sprühtopping aus der Dose. Umkränzt von staubfein zerstossenem Zucker.
   Im normalen Fall der Fälle wäre dieser, in seiner Größe dezent gehaltene Happen, innerhalb von Sekunden im ewigen Lebensmittelgrab meines Mundes beigesetzt. So aber sieht man sich gezwungen, mit dem Dessertlöffel ein paar mal in das prachtvolle Mousse zu stechen, und so aus dem ohnehin schon kleinstgehaltenen Nachtisch, noch kleinere Teil heraus zu stechen. Um so die Illusion aufrecht zu erhalten, man verzehre ein süßen Gericht immensen Außmaßes.
   Sehen sie, ehrenwerte Leserschaft, es geschah also tatsächlich. Ich hab´s getan. Ich, der gerne herzlich darüber lachte, wenn er im Fernsehen zu Gesicht bekam wie sich Menschen abmühten, fingernagelgroße Fleischstücke auf riesenhaften Teller, zu verzehren, hat sich nun selbst in diese Niederungen hinabgelassen. (oder ist es vielleicht doch ein Aufstieg?). Bedeutet es das was ich anfänglich vermutete? Oder war es nur ein Ausruscher? Eine Vorschau auf zukünftiges ? (ein „2*7“ sozusagen ...) Wollte mir irgendwer/was einen Wink geben: „Hey du altes A********, vergiss die Jugend, das war´se die Vase, gewöhn dich an Spieleabende, Zirkusbesuche, sinnlose Streitereien, warme Milch auf den Handrücken tropfen. An Rheuma, Altersflecken, unkontrollierten Harn- & Stuhlgang, ... Du gehst gerne Essen, ist gerne winzige Haute-Cuisine Fresschen, das ist das Zeichen, du wirst alt!“

   Ein wenig beruhigte mich die Tatsache, dass wir beide, M. und ich, schon beim verlassen des Lokals feststellten dass dies doch alles ein bisschen viel gewesen sei, und uns der Gedanke kam, dass wir doch auch wieder mal den guten, alten McD´s aufsuchen könnten. Wo sich die hippe In-Crowd, wo wir nun mal dazugehören, gerne mal `nen saucy Burger in den Mouth schiebt. Denn was die Jugend von heute so checkt, haben wir immer noch voll die Ahnung, Baby. Ich fahr auch total auf die voll scretchy Lokale ab, wo die juicy Ghetto Bunnies ihre booties shaken. Weil ich und meine Homies von da Hood sind immer noch damn jung und am Puls der Zeit, check it out! Quatsch, alt werden! Das ist überhaupt nicht wichtig! Alt sind die anderen, Mann! Ich bin immer noch hip, tough und juicy! Und in diesem Sinne fette Probs und Respect an meine Bros und Siz von da Westside. Peace out! Burt „SugarDaddy“ Viola











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