Die Schweinepriester-Premiere
Markus, 6.2.2006
   Eine Woche ist es nun her, dass unser Flick seinen Ein­stand in der Öffentlichkeit feierte und die Tränen der Rührung sind noch immer nicht getrocknet. Un­glaub­liche 160 Leute wollten mit uns an dieser Premiere teil­haben. Was haben wir nicht geheult wie die Schlosshunde vor Glück! 160! Diese Zahl treibt einem die Demut ins Herz und einen wohligen Schauer den Buckel hinauf und hinunter. Bemerkenswert auch die unglaubliche Disziplin des geschätzten Pre­mier­en­publikums. Bereits um 19.45 Uhr war das altehrwürdige, doch Mönchs­zellen­gleiche Foyer der Breitenseer Lichtspiele zum Bersten voll. Unter anderen Um­ständen und bei weniger sanftmütigen Gästen wären also schon zu Beginn Aus­schreitungen und Schwerverletzte kaum zu vermeiden gewesen. Nicht aber an diesem Abend mit diesen lieben Leuten. Gleichmütig und fromm wie frisch erlegter Thunfisch in der Dose harrten die Hoffnungsfrohen geschlagene 40 Minuten dem heiß ersehnten Einlass in den Vorführraum. Selbiger hinterließ dann ebenso mächtigen Eindruck. Edelste Lamperie und exquisite Holzbestuhlung in Vogel­augen­ahorn ließen beim Betreten des Saals den Puls nochmals gehörig in die Höhe schnalzen. Mit kürbisgroßem Kloß im Hals sagte man sich selbst: „Ja, wahrlich ein würdiger Rahmen für eine Filmpremiere!“ Wundervoll wie dieses Ambiente mit den geschmacksicher aufgebrezelten Hauptdarstellern korrespondierte! Die ließen nämlich getreu dem Motto „Heute wird gekratzt wo`s juckt Kumpels!“ beklei­dungs­tech­nisch nichts anbrennen. So beeindruckte Max mit einem Pelzjäckchen, das auch jedem Hustler an der Lower East-Side zur Ehre gereichen würde. Oliver wiederum trug eine samtige Robe, die Jason King die hitzige Röte des Neides ins Gesicht gezaubert hätte. Und Markus „Brad Pitt“ Karner verstand es in seinem pinkfarbenen „Ocean´s Eleven“-Outfit nur zu gut, die Herzen der anwesenden Damen vor Ver­zückung das himmlische Halleluja singen zu lassen.

   Nachdem schließlich der in klassisches Cord gehüllte SP/ LL-Oberdruide Alex den Vor­führer fachmännisch gebrieft hatte, nahm sich Max ein Herz und die Gäste mit warmen Wor­ten ins Gebet. Schon gingen die Lichter aus, das LL-Logo kündete vom Beginn des Films, ehrfürchtige Stille erfüllte den Saal und grü­beln­de Nervosität ergriff die LL/SP-Belegschaft. Wird der Mob uns teeren und federn, mit Tritten und Schmährufen bedecken? Oder schlimmer: unter lautem Krakeelen die Eintrittsspende zurück verlangen? Wie war unsere Erleichterung groß als das erste verhaltene Lachen vom Auftauen des Publikums kündete! Gott sei`s gedankt! Ein bisschen gefällt ihnen das Movie ja doch!
   Mit Fortdauer des Films wurde das Gelächter lauter und das Raunen bei gar grauslichen Szenen (vgl. McKluskys Ohrschuss) inbrünstiger. Schön! Allen hat es also gefallen. Außer dem schnöden Vorführer, der beschloss, dass Publikum und er hätten nun wirklich genug von diesem niederträchtigen Zwergen-Film gesehen und kurzer­hand dem sagenhaften Abspann mit seinen spaßigen Outtakes den Garaus machte. Einzig Schneidas rüder Zuruf und dessen gebeutelte Faust konnten den Elenden zum Umdenken und den Leinwandvorhang zum Öffnen bewegen, so dass sich alle Darsteller doch noch in pfiffigen Hoppalas bewundern konnten.
   Danach ging es unter Maxens aufmunterndem Zuruf auf flinken Sohlen zu Premierenfeier und SP-Schwof in das Lokal unseres uneingeschränkten Vertrauens: das Blue Tomato. Die Szenen die sich dort zunächst abspielten, gemahnten an brutale Frühstücksschlachten in türkischen All-Inklusive-Clubs: das Gratis-Buffet wurde gestürmt wie südamerikanische Präsidentenpaläste von marodierenden Militär-Juntas.

Selbst Schneidas Er­öff­nungs­rede, im Stil taiwanesischer Elvis Imitatoren gehalten, konn­te das fröhliche Mampfen nur bedingt stoppen. Lediglich während der Überreichung eines Bertl Rodriguez-Ge­dächt­nis­huts an unseren lie­ben Herrn Zwergen-Reschis­sör Alex Weber hatten die Kauleisten unserer hungrigen Gäste eine kurze Nachdenkpause. Aber so sollte es sein! Denn es war uns ein Herzensanliegen, dass keiner hungrig oder nüchtern nach Hause gehen muss. Mit Fortdauer des Festes verabschiedeten sich leider Etikette und guter Ton, denen das Lokal offenkundig zu voll geworden war. Das gipfelte bedauerlicherweise darin, dass unser geistlicher Beirat Father Nic aka Horst Schachtner zu einer Feldstudie in Sachen Körperbehaarung antrat und die Achselhöhlen der Anwesenden mit seinen gesalbten Händen unter Augenschein nahm.
   Diese unschönen Vorkommnisse wurden aber durch die anmutigen Tänze unserer weiblichen Gäste schnell vergessen gemacht. Ein Augenschmaus fürwahr! Dicke Props daher an Frau K. und Co., die die Rolle der Anheizerinnen mit Bravour erfüllten! Und, wie schon weiland bei ersten pickligen Partyversuchen in der dritten Klasse Unterstufe, verloren darauf auch die Büblein ihre angeborne Scheu und fanden auf das Tanzparkett. Zu den Klängen obercremiger LL-Musik durchzog nun heiteres Gehopse das ganze Lokal, man gab sich unbeschwert und fröhlich. Selbst die von uns hoch verehrte Blue-Chefin Gerti hielt es alsbald nicht mehr hinter der Bar und sie ließ sich zu einer gar heißen Sohle hinreißen. Fein! Gegen 4.30 neigte sich das rauschende Fest seinem Ende zu und auch die letzten Aufrechten sattelten die Hühner. Einige Unersättliche trieb es - unter Wolfgangs und Philipps Anfeuerungs­rufen - allerdings noch ins Café Wettpunkt. Das hatte zur Folge, dass sich bald danach Teile des im Blue kredenzten Chilis am gepflegten Fliesenboden dieses 24 Stunden-Etablissements wieder fanden. Jaja, da hat manch eine/r kräftig über das Ziel hinausgeschossen ... In jedem Fall bedanken wir uns auf das Devoteste bei allen Gästen für Ihr Kommen! Es war wunderbar und wir würden uns freuen wie die Christkindln Sie am 4.3. beim zweiten SP-Schwof im Blue Tomato begrüßen zu dürfen! mk









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Die Schweinepriester
Premiere: Fotos
SP-Trailer

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