Weihnachten 2004: Er- und Überlebtes
Burt Viola, 17.1.2005
   Wem´s interessiert. Ihr Autor, der wie sie wahrscheinlich noch nicht wissen, eine eher andere Art zu Leben wählte, und somit vor Jahren ein einsiedlerisches Hausboot zu seinem Eigen machte. Darauf verbringt er sein emigrantiges Dasein und wartet dort auf bessere Zeiten, das erste graue Haar, Frauen (zurecht sehr un­wahr­scheinlich) und Erfolg (detto). Ab und an betet er an seinem elfenbeinenen, Wal­haut bezogenen, Gunther-Sachs-Altar oder liegt (fast) nackt auf einem weißen Bärenfell um darauf rituelle Handlungen des Reynolds´schen-Tantra-Yoga zu voll­ziehen. Kurz gesagt, ihr ergebener Autor lebt glücklich und allein. Womit ihm auch die alljährlichen Weihnachts-Silvester-Drei Königs-Feiertage erspart bleiben. Nun hatte er aber letztes Jahr das Glück an eben diesem Feiertags-Konvolut teilhaben zu dürfen. Ein Bekannter eröffnete im die Möglichkeit einmal live, echt und in Farbe an diesem dreiwöchigen Festival des Guten Appetits teilzunehmen.

   Vorweihnachtstag, 24. 12. Der Vater lümmelt auf der Couch. Es ist Mittag, zurück vom Merkur. Einkaufen. Mutter fährt nicht. Nicht mehr. Die Söhne erwachen prinzenhaft. „Guten Morgen“. Der Christbaum steht bereits im Wohnzimmer. Ungeschmückt. Der Vater...auf der Couch. Frühstück der Prinzen. Muttchen in der Küche. Viel „Licht ins Dunkel“, noch mehr Peter Rapp. Früher Nachmittag. Vater meint: „Wos is, aufputzen! Mama, welche Farben nemma´dn heuer!?“, „Die Roten!“, aus der Küche schallend. Also, viel Rot, viel Stroh. In der Küche wird gerade zwei Enten der Arsch aufgerissen um ihnen so sämtliche Innereien brutal herausreißen zu können. Der restliche Nachmittag besteht aus rumlümmeln. Weihnachtskrapferl, Schinken-Käse-Toast, „St. Claus mit Muckis“. „Essen!“ Das weihnachtliche Mal wird aufgetischt. Suppe, 2 ½ Enten, Knödl, Rotkraut und Tässchen voll Mousse au Baily´s später ... Bescherung. Keiner will den Baum anzünden. „Nau, wer zünd´ ihm an?“ Söhnchen erhebt sich, tut was. Fertig. Baum schauen. Mutti tanzt verspätet mit dem Glöckchen an, während der Rest schon starrt (auf den Baum), läutet Mutti munter das Glöckchen. Baum schauen. Baum schauen. Söhnchen darf das Weihnachts­evangelium lesen. (das bekanntere von Lukas). Sternspritzerduft. Baum schauen. Das allerjährliche Ritual. Während der Rest noch Baum schaut. Vatis altbekannter Satz: „Gettscho, auspacken!!“ Also auspacken. Die Söhne freuen sich über die eins zu eins übernommene Geschenkeliste. Keine unangenehmen Überraschungen. Vati freut sich über seinen neuen Kärcher. „Muss i morgen glei Auto waschen!“ „Ja genau, damit jeder gleich sagt:, Schau, den hat a sicher gestern zu Weihnachten kriegt,“ meint Mutti dazu. Und die freut sich über die üblichen Kerzen-Duft-Tee-Bade­wasser-Hautcreme Geschenke.

   25.12. Zu Gast bei den Großeltern. Suppe. Frittierte Hühnerteile (ca. 30 Stück) Mehlknödl, Torte. Tantchen hat bereits bei der Ankunft einen leichten Damenflieger. Die Zeit vergeht, abwechselnd mit Süß (Weihnachtsgebäck) und Salzig (Erdnuss­flocken, Soletti...). Da kam ihren Autor folgende Erleuchtung: Man kann tatsächlich den ganzen Tag essen. Man muss nur regelmäßig zw. Süß, Sauer und Salzig wechseln. Und es funktionierte. Abendmahl. Ein halbes Kilo Lachsbrötchen für alle. Munter wird zugegriffen. Es wird spät. Aufbruch gegen 3 Uhr. Vati meint: “Pfff, I iß morgen nix!“ Die restliche Familie sagt einmal nichts dazu ...

   26. 12. Söhnchen wacht auf. Vati sitzt vorm Fernseher. Vor sich eine zünftige Brettljause. (zum Frühstück halt a bissl was leichtes ...) Früher Abend und einem köstlichen Zwiebelrostbraten später (auch Vati hat´s geschmeckt) Großeltern Nr. 2. Omsch, die Königin des (gekauften) Weihnachtskrapferls. Wie jedes Jahr: Mutti: „Sind die eh ned aus der Tschechei?“ Omsch: „Naa, die sind eh von unserem Bäck´. Wie eh und je: Christbaum schauen. Wie eh und je die gleichen Geschenke. Für die Buben Ferrero Rocher (+ einem Umschlag!!) für Mutti 4711 (+ Umschlag), für Vati ein Sechser-Tragerl Bier (+ ...) wie eh und je, in der Küche hats 32 Grad (sic!), Opi in der Strickweste.

   8.1. Großeltern Nr. 1 besuchen die Familie. Krapferl. In der Küche wird ein monströser Schweinsbraten vorbereitet. Es wird „Mensch ärgere dich nicht“ gespielt. Opi liebt das. Er verliert. Der Schweinsbraten dauert etwas länger. Es wird noch rasch Einkaufen gefahren. Wurstzeugs. Wein. Zur Überbrückung eine spontan erfundene kalte Platte. Wurst, Käse, Pfefferoni, Aufstrich. Ah, endlich. „Essen!“ Der Schweinsbraten wird serviert. Mit den legendären Mehlknödln der Urgroßmutter. Danach: Lungenbraten, überbacken (Kräuter-Käse) Petersielerdäpfel. Mousse au Baily´s. Krapferl. Soletti mit Eiaufstrichdipp. Erdnussflocken.

   Ob sie´s glauben oder nicht sehr verehrter Leser. Ihr Autor lebt noch. Dank gesteigerter Frequentierung des heiligsten aller stillen Orte, einem funktionier­enden Abgassystem und der Shaolin´schen Methode der Energiebündelung. (ie: sämtliche Lebenskraft wurde auf den Magen-Darm-Trakt transferiert.) Und dabei hat sich ihr Autor nur auf die wichtigsten Ereignisse beschränkt. Da war noch mehr!! Tja, unser Freund der Magen, schon ein tolles Ding, In diesem Sinne, Mahlzeit! bv

PS: la grande bouffe: Weihnachtskrapferl, Schinken-Käse-Toast, Suppe, 2 ½ Enten, Semmelknödl, Rotkraut, Mousse au Bailys, Frittierte Hühnerteile, Mehlknödl, Torte, Krapferl, Soletti, Lachsbrote, Brettljause, Zwiebelrostbraten, Krapferl, Wurst-Käseplatte (für zwischendurch), Pfefferoni, Aufstrich, Schweinsbraten, Mehlknödl, Salat, Lungenbraten, Petersielerdäpfel, Mousse au Bailys, Krapferl, Soletti mit Eiaufstrichdipp, Erdnussflocken   








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