Ein ganz normaler (Weltfrauen)Tag
Frau K, 13.3.2006
    So im großen und ganzen ist er doch recht spurlos an mir vorübergegangen, am Tag danach interessiert sich sowieso kein Mensch mehr dafür. In der Früh am Schwarzenbergplatz auf dem Weg zur Arbeit gehe ich im Laufschritt an einer Hand voll schweigender Demons­tran­tin­nen vorbei, die ziemlich klein beschriftete Zettel in die Höhe halten. Ich bin wieder mal verdammt spät dran; sollte eigentlich seit zwei Minuten in einer Abteilungs­be­sprech­ung sitzen. Die Wörter ‚Rauch-Kallat’ und ‚Anti-Frauenpolitik’ und der Satz ‚Da machen wir nicht mit!’ bleiben hängen. Ja ... ok ... da wären jetzt sicher tolle Argumente draufgestanden, aber ich muss mich in dieses blöde Meeting beeilen, um mich dafür zu rechtfertigen, dass die Arbeit, die ich leiste, schon irgendwie wichtig ist. Im Büro angekommen stelle ich fest, das Meeting hat ohne mich begonnen und es interessiert eigentlich auch niemanden, dass ich nicht dabei bin. Zum Glück hab ich mich nicht in die Arbeit beeilt. Mir dämmert noch überhaupt nicht, dass heute Weltfrauentag ist.
   Irgendwann gegen Mittag schnappe ich bei einer Unterhaltung von Kollegen einen Wortfetzen auf: Weltfrauentag. Ah ja, da war ja was. Das könnte auch eine Erklärung für die demonstrierenden Damen vor der Industriellenvereinigung sein. Und ich hab ja gestern in den Nachrichten so einen tollen Beitrag über die ganzen Frauenmessen und das widerliche Vorwahlkampfselbstlob irgendwelcher Politikerinnen gesehen. Wie war das? ‚Bei der Frauenmesse unserer tollen Frauenministerin im altehr­würdigen Palais waren keine Kinder im Kinderwagen erlaubt.’ Da wird sich der Wahlkampf/Presseberater aber nicht freuen. Und dann haben sie auch noch erfolgreiche Frauen interviewt, die Geschäftsführerin vom Interio ‚Also für mich war Geld nie ein Kriterium. Ich hab immer nur gemacht, was mir Spaß macht. Und mein Lebensmotto ist, wenn ich einmal in der Früh aufwache und mir mein Job keinen Spaß mehr macht, dann mache ich einfach was anderes.’ Blöde Kuh! Wenn mein Mann der Chef des Billa Imperiums wär, dann wär Geld für mich auch kein Kriterium.
   Weltfrauentag also, mal schauen, was diestandard.at heut so schreibt, um das feministische und politische Gewissen zu beruhigen. Ich les mir ja am liebsten die Kommentare durch, die sind wenigstens offensichtlich gefärbt von der Meinung des Autors ups der Autorin ... ups der/des AutorsIn ... das kann jetzt aber auch nicht stimmen?! Mhm, 'PolitikerInnen verwenden das Thema für ihre Zwecke... nur ein scheinheiliger Tag, damit man das Thema für den Rest des Jahres wieder unter den Tisch kehren kann ... weltweite Zunahme der Gewalt an Frauen ... große Versprech­ungen, aber nichts wird sich ändern ... Gedenken an bedeutende Feministinnen ...' So richtig spannend wird’s bei den Postings 'Frauen wollen immer nur noch mehr Rechte ... die Männer können ja eigentlich gar nicht anders, weil die Frauen eh am liebsten zu hause sind und die ganze Kindererziehung an sich reißen ... der wichtigste Schritt für die Gleichberechtigung: Frauen zum Heer ...' Ahhhhhh! Warum les ich mir diesen Scheiß eigentlich durch?! Muss ungefähr das gleiche Phänomen sein, wie wenn man beim Fernsehen bei einer Talk Show hängen bleibt.
   Nach der Arbeit treff ich mich mit einer Freundin zum Café. Wir stellen fest: Ah, heute is Weltfrauentag. Gut. Sie erzählt von einer geistreichen Bemerkung ihres Chefs 'Wozu braucht ma sowas überhaupt?!' Wir verdrehen beide die Augen. Richtig, mehr kann frau dazu auch nicht sagen.
   Am Abend sitzen dann zwei Frauen und drei Männer im Blue. Die fürsorgliche Lokalchefin versorgt uns mit Briochekipferl in der Form des Frauenzeichens. Die haben die Grünen heute ausgeteilt. Ah, der Weltfrauentag. Schauen lustig aus, schmecken auch nicht schlecht, wie normale Briochekipferl. Noch ein paar lustige männliche Bemerkungen zum heutigen Tag. 'Beim Kurier is heute die ganze Ausgabe von Frauen geschrieben worden, sogar der Sportteil ... war aber eh gar nicht so schlecht.' Kommt mir irgendwie so vor, als würde man die lieben kleinen Kinder ausnahmsweise auch mal Erwachsene spielen lassen, weil sie dabei doch so herzig sind. Noch ein bisschen sitzen und plaudern. 'Du solltest wieder mal was schreiben!' Worüber? Jetzt fallen mir aber schon die Augen zu. War ein ganz normaler langer Tag. Frau K








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Weltfrauentag
diestandard.at

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