Whoosah!
W-Bär, 1.5.2006
   Michael Bay ist Regisseur. Ein ziemlich erfolgreicher noch dazu.  Allein für sein bisher schwächstes Tschinbummfilmchen "Pearl Harbor" hat er formidable 25 Mio. Dollar eingesackt. Nicht schlecht für jemanden, der zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 3 Hollywood-Filme ("Bad Boys", "The Rock" und "Armageddon") auf dem Buckel gehabt hat. Und Michael Bay macht vor allem das, was er am besten kann: adrenalingeschwängerte Action­block­buster. Material­ver­nich­tungs­tech­nisch macht ihm da so schnell keiner was nach.
   Jetzt kam mir da gar zweierlei zu Ohren, bzw. vor mein tränendes Auge. Zum einen fühlte sich ein gewisser Herr Stefan Grissemann vor - zugegeben - schon etwas längerer Zeit im Profil (Nr. 32/05, Seite 105) bemüßigt eine kleine - alles andere als schmeichelhafte - Filmkritik über Bay's letzten Streich "The Island" zu Papier zu bringen. Da meint er unter anderem, dass Bay den futuristischen Look von "The Island" ausschließlich von "einschlägigen Genre-Erzeugnissen der vergangenen 35 Jahre" gefladert hat, bescheinigt dem Herrn Regisseur grundsätzlich Null Originalität und schließt sein Elaborat nicht faul mit dem wunderschönen Satz: "Billiges Opium für eine ennuyierte Welt, exklusiv getrieben von der Logik des Geldes und einer geradezu Frankenstein'schen Lust an der Resteverwertung!" Hat er sich gut ausgedacht, der Herr Filmkritiker, da gibt's einmal nix.
   Das war jetzt quasi Schmerz Eins in meinem Hintern. Schmerz Zwei folgte einen Tag später, als ich nichts böses ahnend auf der offiziellen Homepage unseres allseits geschätzten Trainingsjackenradiosenders vorbeiflanierte , um zu sehen was es denn so Neues gibt. Und padautz, es traf mich wie der vielzitierte Bläääätz: FM4-Host Fuchs, seines Zeichens durchaus ein schon oft bewiesender Film-Kapazunder, tat es seinem Kollegen dem Herren Profil-Grissemann gleich und zog ebenfalls über Michael Bay her (Link). O-Ton: "Michael Bay's Filme gehörten bislang zu den schmerzhaftesten Streifen made in Hollywood. Und zwar weil er mit jedem seiner Machwerke Faustwatschen austeilte." Das tut weh. Nein, nicht die Faustwatschen, die Kritik nämlich.
   Angesichts dessen, dass ich "The Rock" auch nach dem vierten Mal schauen immer noch seeehr leiwand finde (allein schon der alte Connery als härteste Sau aller Zeiten - ein Hammer!); "Armageddon" detto für absolut obercremig halte und "Bad Boys 2" meiner Meinung nach sowieso neben "Memento", "Once upon a Time in Mexico", "Old School" und "Bloody French" einer der fünf besten Filme des Jahres 2003 ist, halte ich den Herrn Bay für einen äußerst kompetenten Actionwunderwuzzi. Aber das war ja noch nicht alles. Es folgte ein gemeines: "'The Rock', 'Armagedon', vor allem aber 'Bad Boys 2' und 'Pearl Harbor', das waren körperlich spürbare Attacken gegen jeden halbwegs intelligenten Zuseher mit einigermaßen entwickeltem Geschmack!"

So. Jetzt hab ich's aber dicke!

   Vorweg sei einmal festgehalten, dass ich vom Profil nix anderes erwartet habe. Einen Film der a) nicht aus Frankreich oder b) nicht von Haneke stammt mit einer guten Kritik abzuspeisen, dass wäre für Profil-Verhältnisse wohl gar zu verwegen. Da stellt sich doch gerade einmal die Frage warum sich gerade jemand, der sich von Haus aus nichts mit Hollywood-Action-Filmen anfangen kann, gerade "The Island" vorknöpft, aber bitte. So konnte wenigstens die versnobte Profil-Leserschaft gemeinsam mit ihrem Haus und Hof-Kritiker unisono den Kopf neigen und sich denken: Pfah, dieser schnöde Kommerz! Und dabei gleich in die Knie gehen und sämtlichen französischen Avantgarde-Regisseuren, deren Werke dem "normalen" Zuseher ja augenscheinlich zu hoch sind, den Popsch abbusserln. Eingebildete Säcke!
   Aber jetzt einmal ehrlich: "Körperlich spürbare Attacken gegen jeden halbwegs intelligenten Zuseher mit einigermaßen entwickeltem Geschmack"?!? Das geht dann wohl einen Schritt zu weit. Das mag jetzt vielleicht den einen oder anderen schockieren, aber ich halte mich tatsächlich für halbwegs intelligent und bescheinige mir hiermit offiziell einen einigermaßen entwickelten Geschmack. Und trotzdem kann ich mir mit Michael Bay-Flicks nicht nur was anfangen, ich vergenusszwergle sie förmlich! Zugegeben: wirklich tiefsinnig und zum Nachdenken anregend sind seine Streifen ja nicht unbedingt, aber das behauptet ja auch keiner. Und manchmal  kann so ein sinnentleertes Action-Epos so richtig schön Frohsinn verbreiten! Und, das kann ja wohl keiner abstreiten: was Action angeht, macht ihm zur Zeit keiner was nach. Da können sämtliche Emmerichs, Spielbergs und Konsorten einpacken. Derartig wuschig inszenierte Zeitlupensequenzen und Kameraswooshs soll ihm einmal einer nachmachen. Einzig die Franzosen - allen voran Luc Besson und Louis Leterrier - haben da in letzter Zeit mit ihren famosen Actionkrachern wie "Transporter 1+2", "Unleashed", und "Kiss of the Dragon" usw noch ein Wörterl mit zum zum reden. Da kann ich gerade noch den Quargl mit den "körperlich spürbaren Attacken" nachvollziehen. Spätestens nämlich wenn Martin Lawrence in "Bad Boys 2" zum wiederholten Mal an seinen Ohrlapperln reibt und laut "Whooosah" schreit, malträtiert ein Lachkrampf nach dem anderen mein eh schon ramponiertes Zwerchfell! So gesehen könnte man natürlich durchaus von "körperlich spürbaren Attacken" sprechen. Aber  Faustwatsch'n gibt's da keine! Nix da!
   Immerhin schließt Host Fuchs seine Kritik mit einem versöhnlichen "Wer aber einfach Lust auf einen aufgeblasenen Sommer-Blockbuster hat, kann den Kurzurlaub auf der Insel trotzdem wagen." Gut, akzeptiert, versöhnt. Da könnte sich jetzt sein aufgeblasener Profil-Kollege noch ein, zwei Scheiberl abschneiden.
   Also schluss da mit dem kollektiven Michael Bay-Bashing. Der Junge ist fabelhaft. Und wer sich lieber anspruchsvolle Künstlerfilme anschaut, soll das machen und den armen Michl in Ruhe lassen. Ich schau mir ja auch nicht "Calender Girls" an und reg mich dann auf, weil's so fad war. Hugh! W-Bär








Links:
Michael Bay
Bad Boys II
The Rock
Old School
Bloody French
Luc Besson
Louis Leterrier

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