Zu Besuch bei Freunden
Frau K, 11.02.2008
 Zur Überbrückung leichter Stim­mungs­schwankungen, die unter Umständen bei sagen wir längerer Arbeitslosigkeit in tristen Wintermonaten auftreten können, gibt es nichts Besseres als die Gesellschaft von Freunden, die einen zum Lachen bringen. Denn ganz ehrlich, wenn man nicht mehr lachen kann, macht doch das Leben sowieso keinen Sinn mehr. Deshalb ist es eine wahre Kunst, Menschen zum lachen zu bringen, und wir sollten die­jenigen ehren, die diese hohe Kunst be­herrschen. Aus diesem Grund und inspi­riert von dem beinahe spirituellen Er­leb­nis, in einem berüchtigten Café zu Besuch gewesen zu sein, möchte ich dem aufgeschlossenen Leser heute die zwar altbekannte, aber durchaus auch heute noch empfehlenswerte US-Serie Friends ans Herz legen.
   Besonders die Anfänge sind ja mittlerweile fast so etwas wie ein Zeitzeugnis der Neunziger. Hosen bis zum Bauchnabel und ‚With or without you’, wer kann sich daran noch erinnern? Aber nicht nur darin liegt die Faszination. Für Leute meines Jahrganges ist es durchaus auch spannend, heute noch einmal in diese Welt einzutauchen und sich daran zu erfreuen, diesmal tatsächlich im Alter dieser Freunde zu sein und vielleicht die Handlung ein wenig besser nachvollziehen zu können. Und alle anderen haben das zwar ohnehin von Anfang an verstanden, können sich aber zumindest daran erfreuen, Dreißig- bis Vierzigjährigen dabei zuzusehen wie sie Zwanzig- bis Dreißigjährige spielen.
   Unnötig zu betonen, dass der eigentliche Wortwitz und die komödiantische Leistung der Darsteller nur im englischen Original funktionieren. Besonders bei Komödien wird deutlich, dass man erstens Witze einfach nicht in andere Sprachen übersetzen und zweitens den Großteil der schauspielerischen Leistung von der Sprache nicht trennen kann. David Schwimmer ist dabei mein absoluter Favorit geworden, meiner Meinung nach einer der genialsten und meist unterschätzten Komödianten seiner Generation überhaupt. Niemand kann sich so urkomisch über den schmerzlichen Verlust eines Sandwiches ärgern. Derzeit hat er sich übrigens mit Simon Pegg verbrüdert und die Regie bei seinem kommenden Film 'Run Fat Boy Run' übernommen. Ein Job, der ihm nicht neu war, saß er doch schon bei insgesamt zehn Friendsfolgen im Regiesessel. Zuvor haben die beiden begnadeten Komiker bereits in 'Big Nothing' als leicht unfähiges Verbrecherpaar einen wirklich beachtlichen Auftritt hingelegt. Womöglich ist David Schwimmer beim gemeinsamen Friends Ausflug nach London am Ende der vierten Staffel auf den englischen Geschmack gekommen, bei dem er Helen Baxendale (als Emily Waltham) heiraten und gleich wieder verlieren durfte, weil er mit dem Namen seiner Braut vor dem Altar ein wenig Probleme hatte.
   Im Vergleich zu anderen Gastauftritten ist dies ja ein eher unbekannter Name. Abgesehen von den wirklich berühmten Gästen der späteren Staffeln wie Brad Pitt, der als alter Schulfreund von Ross bei einem Thanksgiving Dinner auftaucht und sich ausgerechnet als Rachel Hasser entpuppt, oder Bruce Willis, der danach mit Brads Holder schmusen darf, gibt’s aber auch einige lustige Aha-Erlebnisse und Anekdoten über weniger bekannte freundlichen Gäste. Noch in der ersten Staffel liegt Leah Remini (aka Carrie Heffernan, King of Queens) gleichzeitig mit Ross’ Frau Carol in den Wehen, wobei sie lustigerweise ursprünglich beim Casting für die Rolle der Monica vorgesprochen hatte. Mit anderen beliebten Serien gibt es ebenso Verknüpfungen. So darf David Sutcliffe (aka Christopher Hayden, Gilmore Girls) in der siebten Staffel als ‚Hums while he pees’-Date von Phoebe mitspielen. Und im Flugzeug auf dem Weg nach London sitzt doch glatt Hugh Laurie (aka House, MD) höchstpersönlich neben Rachel und weigert sich, ihren Ross Geschichten zu lauschen. Auch einige der LL-Schutzpatrone und Lieblinge tummeln sich auf der Cast Liste. Angefangen bei Paul Rudd (als Mike Hannagan, Phoebes Freund), über Tom Selleck (als Richard Burke, Monikas Freund) bis zum total durchgeknallten Giovanni Ribisi (als Frank Buffay, Phoebes Bruder), der mit der "That ´70s Show"-Mama Kitty Forman, Debra Jo Rupp (als Alice Knight Buffay), eine kleine Familie im Bauch seiner Schwester gründet. Das waren aber längst noch nicht alle: Elliot Gould (Papa Geller), Jon Favreau (Monicas Millionärsfreund), Hank Azaria (Phoebes Wissen­schaft­ler­freund), Adam Goldberg (Chandlers irrer Mitbewohner), Garry Oldman (Joeys Filmpartner), Sean Penn (Phoebes Freund und Exverlobter ihrer Zwillingsschwester Ursula), Alec Baldwin (Phoebes ein wenig zu enthusiastischer Freund), Freddie Prinze Jr. (männliche Nanny für Rachels und Ross Tochter Emma) und natürlich die Damen: Reese Witherspoon (Rachels Schwester), Winona Ryder (Rachels Kuss-Freundin aus Studentenzeiten), Christina Applegate (Rachels andere Schwester), Kathleen Turner (Chandlers Papa!), Alexandra Holden (Ross’ Studenten­date), Anna Ferris (biologische Mutter von Monicas und Chandlers Nachwuchs), Jennifer Grey (Rachels Brautjungfer aus der ersten Staffel) , Elle McPherson (Joeys heiße Mitbewohnerin), ... Je länger man sich diese Liste ansieht, umso mehr kommt man zu dem Schluss, dass wohl ganz Hollywood irgendwann einmal einen Gastauftritt in dieser Serie hatte. Es gibt also vieles oder besser gesagt viele zu entdecken, an deren Wiedererkennung sich der geübte Serien- und Filmindustrie Junkie erfreuen kann.
   Ein ebenfalls eher unbekannter Name aber eine wirklich gute Geschichte ist übrigens die des Central Perk Kellners und Rachelanbeters Gunther (eigtl. James M. Tyler). Ursprünglich ein eher unbedeutender Komparse gelangte dieser nämlich vor allem deshalb zu einer bedeutenden Rolle, weil er neben der Schauspielerei auch Kellner und damit der einzige war, der die echte (!) Kaffeemaschine im Lieblings­kaffeehaus der Freunde bedienen konnte. Angefangen mit ein paar Dollar pro Folge konnte sich seine Gage am Ende der insgesamt immerhin zehn Staffeln sehen lassen, und er konnte den Kellnerjob wohl an den Nagel hängen.
   Aber auch in Bezug auf die Handlung und einzelne Geschichten lässt es sich natürlich vortrefflich philosophieren und Menschen langweilen, die noch nicht in den Friendsbann gezogen wurden. Wer kann mir beispielsweise erklären, was es mit der Europe-Story auf sich hat, oder ob Rachel und Ross eine Beziehungspause hatten? Wer hat Monica dazu gebracht, abzunehmen? Wieso wird Phoebe von einem Pornofan verfolgt? Wie lautet Chandlers zweiter Vorname? Und warum weiß Joey so gut über Vulkane bescheid? Also, meine Empfehlung für graue Wintertage: ein Besuch bei Freunden. Macht aufgrund des Vergangenheitsfaktors so schön sentimental, erfreut das Seriennerd Herz, und Lachen ist sowieso immer eine gute Idee! Frau K









Links:
Friends
Run Fatboy Run
Big Nothing

Fotos:
Central Perk Cafe

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