Loungette: Alicia Keys
Markus, 26.2.2007
   Was soll einen da noch wundern: Mutti eine irische Musicalsängerin mit schotti­scher Seitenlinie und italienischen Ur­strumpf­tanten, Vati afroamerikanischer Flugbegleiter. Wer nicht mit zuem Auge durch die Welt rennt und im Biologie­unterricht brav aufgepasst hat, weiß: so ein Herkunftsmischmasch ergibt die hübschesten, gesündesten und talen­tiertesten Kinder. Verhält sich auch bei Alicia Keys nicht anders. Die braucht man grundsätzlich nicht großartig vorzu­stel­len, weil in den letzten 6 Jahren kam man an ihr sowieso unmöglich vorbei. Neben Zuckerpopscherl Beyoncè Knowles, der zweite aktuelle Fixstern am erweiterten R`n`B-Himmel, Grammy-Abräumer und absolute Multimillionen-Seller. Halt mehr aus der Singer-Songwriter-Richtung als aus dem Soul-Diven-Eck. Jetzt haben wir von der Lounge mit R`n`B zwar nicht wirklich viel am Hut, trotzdem woll ma das Frl. Keys mal ein bisserl genauer unter die Lupe nehmen. Was natürlich einen brandaktuellen Grund hat, aber eins nach dem andern.
   Groß wurde Alicia Cook – das ihr bürgerlicher Name -  in einer ganz üblen Gegend Manhattens, nämlich im verruchten „Hell`s Kitchen“. Sowas ist natürlich absolut kongruent, weil die finstersten Vierteln N.Y.`s schließlich schon des öfteren spätere Megastars des Entertainment-Biz hervorgebracht haben. Siehe Sly Stallone, Jennifer Lopez, Eddie Murphy, Puff Daddy, u.s.w.u.s.f.
   Musik ist in diesen grauslichen Grätzeln oft die einzig schöne Abwechslung vom elenden Alltag und hält einen außerdem davon ab, auf dumme Gedanken zu kommen. Also nahm das Alicialein ab dem Vorschulalter Klavierunterricht und erlernte das klassische Spiel quasi von der Picke auf. Eifrig wie sie war graduierte das kleine Musiktalent mit 16 vorzeitig an der High School, pfiff jedoch auf den ihr angebotenen Platz an der Columbia University und unterschrieb stattdessen einen Demovertrag bei Columbia Records (sic!). Dort lief es für das begabte junge Fräulein relativ unfantastisch, was schließlich 1998 zum Split führte. War jedoch nicht weiter tragisch, da bereits ein Herr namens Clive Davis mächtig spitz auf sie war. Jetzt rein geschäftlich natürlich. Jeniger welcher ist nämlich ein alter Sack, Plattenfirmen-Boss und hochangesehener Edel-A&R sprich Talente-Scout, der schon dermaßen lang im Geschäft ist , dass auf sein Konto u.a. die Entdeckungen von Janis Joplin, Bruce Springsteen, Withney Houston und Schmuseträne Barry Manilow gingen. Derart professionell unter die Fittiche genommen konnte nun eigentlich nichts mehr schief gehen, weil der olle Clive verfügte erstens über ein eigenes Label, zweitens über einen geradezu rührigen Enthusiasmus für die liebe Alicia und drittens über Connections bis zum Abwinken, welche noch allerweil das Wichtigste in diesem Geschäft sind. Mit all seiner Erfahrung baute er sein neues Mündel behutsam auf und bereitete das Terrain für ihr Debut-Album „Songs in A minor“, das schließlich 2001 auf die Welt losgelassen wurde. Selbiges ging dann bekanntlich ab wie ein Fieberzapferl, verkaufte sich rund 10 Millionen Mal und bescherte der Frau Keys einen Award-Regen sondershausen. 2003 setzte sie mit dem ebenfalls amtlich verkaufenden „The diary of Alicia Keys“ noch einen drauf und veröffentlichte ein paar Duette mit befreundeten Künstlern (z.B. mit Usher „My boo“), um 2005 mit einem Auftritt bei der 39. Super Bowl endgültig in den US-Adelsstand gehoben zu werden.
   Wie viele ihrer artverwandten Sangeskolleginnen entdeckte sie in der Zwischen­zeit einen gewissen Drang zum Thema Schauspiel und begann sich langsam an die Materie heranzutasten. Ein wenig Erfahrung war ja schon vorhanden, spielte sie doch allen Ernstes im Jahr 1985 (!), also mit ca. 5 (!!), in einer Episode der „Cosby Show“! Eh arg, aber ist uns voll nicht aufgefallen. Nach kleineren Auftritten in den Vorabendserien  „Charmed“ (2001) und „American Dreams“ (2003) bekam das Piano spielende Mandelaugerl 2006 schließlich den Zuschlag für ihren ersten Part in einem Kino-Flick. Und schwupps sind wir beim Kern der Sache und dem Grund warum wir Alicia Keys in den Rang einer Loungette erhoben haben: bei besagtem Movie handelt es sich nämlich weder um eitrigen Romantikschmonz, noch um eine dieser elendslange Eier verursachenden Künstlerbiografien, welche in der Regel als Standardvehikel für den Wunsch von Soul-Sängerinnen nach einer Schauspiel­karriere herhalten müssen, sondern wir sprechen in diesem Fall von einem superstylischen und ernsthafte Arschtritte verpassenden Action-Furioso vom Feinsten: „Smokin` Aces“, ab demnächst in den hiesigen Lichtspieltheatern und von uns nach fachkundiger Begutachtung der Teaser/Trailer neben „Grindhouse“ und „300“ vom Fleck weg zum ultimativen Film-Highlight 2007 gekürt. Gibt darin eine Profikillerin, die im Auftrag des Mob neben einem Haufen anderer Nasen dem Las Vegas-Tischzauberer und Kartenhai Buddy „Aces“ Israel schwer ans Leder will. Und hallelujaheidelbeer, kommt die in dieser Rolle rattenscharf rüber! Ein extrasmartes Flintenweib bei dem man auch noch artig „Danke!“ sagt bevor sie einem die Rübe wegbläst. Wuihuihui!
   Diese Performance hätten wir ihr angesichts der faden Mucke, die sie ausdünstet, so nicht zugetraut. Simma jetzt echt gusch und ziemlich heftig beeindruckt. Auf das sie noch viele solche Schauspieljobs abgreifen möge, unsere Loungette des Monats Februar: Ms. Alicia Keys! mk









Alicia Keys:
geb. 25.1.1980,
New York, USA

Links:
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IMDB
MySpace

Discography:
(2001) Songs in A Minor
(2003) The Diary of Alicia Keys
(2005) Unplugged
(2007) As I am
(2009) The Element of Freedom

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