Loungette: Jade Raymond
Markus, 29.12.2008
   Was ganz was Neues für unsere klugen Leserinnen und schönen Leser: eine Loungette für die Web-2.0-Generation, ein Pin-Up der Controller- Malträtierer, kurzum eine wunderhübsche Frau, die wir auf für Loungettes bisher eher unüblichen Terrain ausgemacht haben. Diese rei­zen­de junge Dame gleich links ist nämlich weder im Schauspielfach zu Hause, noch Tremolo-geschüttelte Vokalakrobatin son­dern unvorstellbarer Weise Video­spiel­pro­gram­miererin. Gut, so uncool und gefäult wie dereinst ist das Image der Computer-Fuzzis natürlich schon länger nicht mehr. You know se Oldschoolcliché: Streberscheitel, Zahnspange, dicke Hornbrille an der Nase und TI-Rechner in der Hemdtasche, meist leicht autistisch veranlagt. Heute unterstellt man Leuten aus jener Branche mitunter ja durchaus eine lässige Slacker-Attitüde. Aber jemanden von dieser Anmutung hat man in diesem Y-Chromosom-gefluteten Umfeld so noch nicht erspäht. Das Weibliche wurde dort abseits von breitbrüstig aufgepixelten virtuellen Amazonen wie Lara Croft stets sträflich vernachlässigt.
   Völlig zu Recht ist Jade Raymond daher so etwas wie der Rockstar im Spiel­kon­so­len-Buisness. Kein Wunder also, dass neben Fachmedien und verschwitzten Geek- Foren nun auch „profane“ Journaille der Ms. Raymond ausgedehnte Beiträge widmet.
   Geboren im Montreal der 70er-Jahre gehört sie aufgrund ihres Alters zur ersten Generation mit Bits & Bytes Sozialisierter. Damals in den 80ern als es noch „Home­computer“ statt „Playstation“ hieß und Spiele noch über Disketten in den Rechner gespeist wurden. „Atari vs. Amiga“, „Space Invaders“, „Out-Run“ und der ganze liebenswerte Schmonz. Wer`s noch kennt, möge sich eine Wehmutsträne ins Knopfloch hängen. Jedenfalls soll sie der Legende nach eines Sommers, ob schlech­ten Wetters und notorischer Langeweile, schwer auf Pac-Man und Co hereingekippt sein. Schon fand man die neugierige Jade im nächsten Schuljahr unter hochnervösen Computer-Nerds im Programmierkurs wieder. Das Kalibrieren von roboterähnlichen Gerätschaften soll ihre erste Fingerübung gewesen sein.
   Daran fand sie offenkundig Gefallen, denn später schrieb sie sich auf der McGill Universität zu Montreal für Informatik ein. Erster Arbeitgeber nach Abschluss sollte der Elektronik-Riese Sony werden. Dort ging sie zunächst dem Handwerk des Programmierens nach, begründete schließlich eine Forschungs- und Entwick­lungs­ab­teilung für Sony Online. Dieser entsprang u.a. eine recht erfolgreiche Online-Version des Game-Show-Klassikers „Jeopardy!“. Am kreativen Part des Entwickelns und Gestaltens blieb sie fortan hängen, wechselte zu EA Games und schuf für selbige „The Sims-Online“. Diese und noch einige weitere Daherkommungen für den boomenden Internet-Spiele-Markt brachten ihr erneut fette Credits in Insider­kreisen. Also durfte die aparte Ms. Raymond 2003 als Präsentatorin auf den Game Developers Awards fungieren. Dort wurde sie in Folge von einem gewissen Victor Lucas, seines Zeichens ausführender Produzent bei G4 Tech TV, als Co-Host für das Fernsehformat „The Electric Playground“ engagiert. Das sollte ihren Bekannt­heits­grad und Star-Status naturgemäß noch erhöhen.       
   Nebenbei ereilte unser nerdiges Hottie der Ruf von Ubisoft Montreal, wo sie an der Entwicklung von „Assassin`s Creed“ zu werkeln begann. Das 2007 mit viel Tamtam veröffentlichte Action-Adventure, ist im Vorderen Orient zur Zeit der Kreuzzüge angesiedelt und glänzt durch Detailverliebtheit sowie einem Set-Design das seinesgleichen sucht. Spielerisch zwar nicht so Ding, ist es von den Visuals schon verdammt nah an Cinemascope hingezimmert. Die Verfilmung lässt angesichts aktueller Trends vermutlich nicht lange auf sich warten.
   Haben nämlich dereinst Junkfood inhalierende Programmierer mäßige Spiel­ver­sionen von Kino-Blockbustern nachgebaut, fischen heute uninspirierte Hollywood-Produzenten und Drehbuchautoren am kreativen Spiele-Marktplatz nach Vorlagen für den nächsten Action-Reißer. Zusätzlich sind durch den in diesem Film-Genre ausufernden VFX- und CGI-Quargel die visuellen Unterschiede zwischen Game und Flick sowieso nur mehr marginal. So kann man mit Fug und Recht behaupten, dass Leute wie Jade Raymond die eigentlichen Drehbuchautoren und Regisseure unserer Tage sind. Dieser Tatsache, ihrer Funktion als positives Role-Model für den weiblichen IT-Nachwuchs sowie ihrer wirklich hinreißenden Erscheinung zollen wir großen Respekt. Darum unsere Loungette des Monats Dezember: Ms. Jade Raymond! mk





Jade Raymond:
geb. 28.8.1975,
Montreal, Canada

Links:
› Offizielle Website
› Game One: Interview
› Assassin's Creed

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