Loungette: Marion Raven
Markus, 27.11.2006
   "The most talented new artist I`ve ever worked with“ --Nikki Sixx/Mötley Crüe, “The new Joan Jett of Rock`n` Roll” --Scott Stevens/The Exies, "Can rock better than anyone I know" --Meat Loaf/Leberkäs
   Na bumm, da überschlagen sich aber die Lobhudelein diverser Rock`n`Roll-Kapa­zunder! Grund genug sich die Person auf die sich all diese Schmeichelein beziehen, einmal näher anzusehen: Marion Raven aus dem beschaulichen Lorens­kog (Nor­wegen), ihres Zeichens Musikerin und offensichtlich drauf und dran den Sprung an die Spitze anzutreten. LL-Leser hatten hier Infotechnisch wieder einmal selbst­redend die Nase vorn, wurde sie doch bereits im Juli dieses Jahres in unseren MM-News kurz vorgestellt. Nun schauen wir sie uns mal ein bisserl ausführlicher an...
   Die junge Ms. Raven startete dereinst ihre Musikanten-Karriere als bessere Hälfte des Seicht-Pop-Duos M2M. Typisch skandinavische Leichtkost wie man sie im globalen Formatradio ganz besonders lieb hat. Waren damit in ihrer Heimat, Teilen Europas und am Antipoden recht erfolgreich. An unserer Wahrnehmung sind sie damit allerdings völlig unbemerkt vorbeigehuscht. Ist jedoch verschmerzbar, weil abgesehen von der netten Optik an Belanglosigkeit tatsächlich kaum zu unterbieten. 2002 lösten sich M2M auf und Marion Raven flog ein gut dotiertes Plattenvertrags-Angebot von Atlantic ins Haus. Worauf sie nicht lange fackelte, im Handumdrehen unterzeichnete und 2005 ihr Solo-Debut mit dem pragmatischen Titel „Here I am“ in Pressung ging.
   Musikalisch schrieb sie damit einen vollendeten U-Turn auf den Asphalt, zeigte dem Girlie-Pop ihr süßes Hinterteil und dem Girlie-Rock ihr hübsches Gesicht. Das Album wurde zunächst ausschließlich in Japan, Südostasien, Schweden und eben Norwegen veröffentlicht. Dort wo sie feilgeboten wurde, ging die Scheibe recht ordentlich, in Japan kletterte „Here I am“ sogar auf Platz 6 der Charts. Trotzdem weigerte sich Atlantic den Output weltweit unter die Leute zu bringen, was schließlich zum Split vom bösen Major führte. Stattdessen lief die Ms. Raven dem US-Indie Eleven Seven in die Arme und ab da wurde es dann wirklich interessant. Die halten nämlich Verträge mit diversen Redaktionslieblingen wie z.B. Everclear, Buckcherry oder dem Nikki Sixx. Und sie ließen nichts anbrennen, schickten Marion Raven samt vorhan­den­em Songmaterial zurück ins Studio und stellten ihr dort ein paar erfahrene alte Säcke zur Seite. Unter anderem legten Art Alexakis (Everclear) oder der Herr Sixx Hand an die mehrheitlich von ihr selbstverfassten Liedchen. Dabei darf die Kollaboration mit dem Mötley Crüe-Urgestein („Heads will roll“) als besonders gelungen angesehen werden. Vor allem das dazugehörige schwüle Video - selbst­ver­ständlich auf unserer Seite zur Vergenusszwergelung bereitstehend - treibt einem den Schwitz auf die Stirn, wuhu! Neben einem Haufen nackerbatziger Models entdeckt der Connaisseur in selbigem u.a. die Herren Scott Stevens und Freddy Herrera von den Exies an Gitarre bzw. Bass und Xavier Muriel von Buckcherry am routinierten zeugeln. Für uns völlig unverständlich, dass das noch nicht von GOTV in die „Heavy Rotation“ aufgenommen wurde, aber bitte.
   Die überarbeiteten Tracks wurden schließlich Sept. 2006 in den USA als EP auf den Markt gebracht, um den Boden für das Anfang `07 in komplett entstaubtem Gewand erscheinende Debut „Here I am“ zu bereiten. Dazu feilt sie derzeit an einem Haufen neuer Nummern, u.a. mit Desmond Child, dem prominenten Co-Songwriter solcher Rock-Heroen wie Kiss oder Aerosmith. Über den ollen Desmond lernte sie wiederum den dicken Meat Loaf kennen. Der war vom Wikingermausi dermaßen angetan, dass sie sich nun mit der bekanntesten Wampe der Rock-Musik auf „Bat out of hell 3“ durch den Jim Steinman-Song „It`s all coming back to me now“ schmalzen darf. Hmja, das hätte es zwar nicht gebraucht, weil ziemlich eitriger Musical-Schmus, der Steigerung des internationalen Bekanntheitsgrad wird's aber wohl helfen. Zu­sam­men­fassend haben wir es bei Marion Raven also mit einer adretten Frau in ihren frühen Zwanzigern zu tun, die gefälligen Poprock ausdünstet. Da könnte man sie jetzt na­tür­lich kurzerhand in einen Avril Lavigne/Kelly Clarkson-Kontext stellen. Weil sie aber bei ihrem Tagwerk von so viel korrekten Rock`n`Rollern flankiert wird, deutlich mehr Wert auf musikalische Ernsthaftigkeit legt und es bei ihr um einen Tick dreckiger und anrüchiger zur Sache geht, erinnert sie uns eigentlich mehr an die junge Alanis Morissette. Nur halt in hübsch. Dem Morissette-Debut „Jagged little pill“ halfen nämlich dazumal ebenso Leute mit fetter Credibility (u.a. Dave Navarro oder der damals noch lustige Flea) auf die Sprünge. Und textlich ist die Mucke detto sehr ähnlich positioniert, beschäftigt sich das Frl. Raven doch hauptsächlich damit, ihren Ex-Freund in die Pfanne zu hauen.
   Das ist ihr gelungen und wo gestandene Rock-Koryphäen vor hymnischen Lobgesängen ihre sabbernden Münder nicht und nicht zukriegen, wollen wir na­tür­lich keinesfalls hinten anstehen, daher unsere Loungette des Monats November: Ms. Marion Raven. mk










Marion Raven:
geb. 25.5.1984,
Lorenskog, Norwegen

Links:
Website
MySpace
Wikipedia

Discography:
(2005) Here I Am
(2006) Heads Will Roll
(2007) Set Me Free)

_retour