Loungette: Sarah Michelle Gellar
Markus, 21.7.2008
   Ups, die erste Loungette in diesem Jahr! Da war ma offensichtlich ein bisserl schleißig. Sei`s drum, obwohl manche Ru­bri­ken zwischenzeitlich ein stief­müt­ter­liches Dasein fristen - gekübelt wird bei uns nixx!
   Die in diesem Monat zur Loungette erhobenen Dame braucht man den klugen Leserinnen und schönen Lesern grund­sätz­lich wohl nicht lange vorzustellen. Wir gehen mal davon aus, dass Sarah Michelle Gellar allgemein bekannt ist. Summa summarum ist es jedoch ziemlich mau um eines der entzückendsten Naserln Holly­woods geworden. Daher dringend not­wen­dig sich ihrer anzunehmen und dem aktuellem Karrierestatus den Puls zu fühlen. Grundsätzlich kann man die Fr. Gellar jener Riege junger, possierlicher Dar­steller­innen zurechnen, die im Zuge des Wiedererwachens von Teenie-Horror und –Komödie in der zweiten Hälfte der Neunziger die Erfolgsleiter nach oben gepurzelt sind. Spontan fallen uns da nicht weniger attraktive Kolleginnen wie z.B. Jennifer Love Hewitt oder Rachel Leigh Cook ein. Und ja, die haben`s mittlerweile alle nicht leicht vernünftige Rollenangebote abzugreifen. Bedauerlich, aber ist so.
   Sarah Michelle Gellar durfte bereits mit 4 Jahren das erste Mal in einen Focus grinsen. Wie es sich für anständige amerikanische Schauspielstars gehört wurde sie quasi aus dem Nichts, in ihrem Fall in einem Restaurant versteckt zwischen Fritten und Burger, von einem dieser offenbar zu Tausenden in US-Großstädten umher­schwir­renden Talentescouts entdeckt. Zwei Wochen später folgte ihre Premiere bei einer Audition und somit das Debut in einem Fernsehfilm an der Seite des damals noch eher unbekannten Jeff Daniels („An Invasion of your Privacy“). Bald danach wurden die Werbewasteln von Burger King auf das putzige Sarahlein aufmerksam und rekrutierten sie für eine neue Kampagne. Daraus resultierte einer der ersten untergriffigen Werbe-Kriege der 80er Jahre, wie sie in dieser Dekade noch öfters vorkommen sollten (vgl. z.B. Cola-Wars: Pepsi vs. Coke). In betreffendem Spot äußerte sich der kleine Wonnepropen nämlich abfällig über die Konkurrenzprodukte der Firma mit dem goldenen Bogen. Was Burger King eine Klage von Mc Donald`s und unserer Loungette ein zeitweiliges Hausverbot in allen nordamerikanischen Ronald McDonald-Filialen einbrachte.
  Neben Werbungen trieb sie sich zu jener Zeit in kleinen Rollen für diverse TV- Produktionen herum, wie z.B. der Krimiserie „Spenser“, und in manchen Spielfilm (u.a. „Funny Farm“ mit Chevy Chase). 1992 ergatterte Sarah Michelle Gellar einen bedeutenderen Part in der Soap „All my children“. Ein Seifenopern-Dinosaurier der übleren Sorte, denn selbiger ist seit dem Jahr 1970 (!) auf Sendung und erfreut sich selbst 2008 (!!) noch immer bester Gesundheit. Jedenfalls erwies sich ihr Mitwirken in diesem „Fernsehklassiker“ als durchaus karrierefördernd, fuhr sie damit doch glatt einen Emmy-Award ein. 1995 stieg sie jedoch aus um zwei Jahre später schließlich für die Rolle der Buffy gecastet zu werden. Die Figur also, welche ihr zu weltweitem Ruhm verhelfen sollte. Hierzu ein nerdiger Einschub: jene Serie war eigentlich ein Spinoff zum in der Zwischenzeit völlig in Vergessenheit geratenen B-Movie „Buffy the Vampireslayer“ (1992). Tatsächlich erschreckend billig produziert, wartete dieses Machwerk jedoch mit einem Cast auf, der sich zumindest aus heutigem Blickwinkel gewaschen hatte: Augenschmaus Kristy Swanson in der Titelrolle, dem großen Luke Perry als deren Haberer sowie den allseits beliebten Haudegen David Arquette, Rutger Hauer und Donald Sutherland. Selbst die spätere Oscar­preis­trägerin Hillary Swank  geisterte in einem Nebenröllchen durch diesen mäßige Horrorspaß.
   But there`s no Biz like Showbiz! Selbst unterdurchschnittliche Vorlagen können über Umwege zum Erfolg führen. Und das war die TV-Version von „Buffy“ ohne Frage. 144 Episoden, rund um den Globus ein Fernseh-Knüller, in der werbe­rele­vanten Zielgruppe eine der meistgesehendsten Serien der letzten 10 Jahre.
   Parallel zu „Buffy“ wirkte die Mrs. Gellar in Kino-Kassenschlagern  wie „Scream 2“„Ich weiß was du letzten Sommer getan hast“ („I know what you did last summer“) oder dem jugendbewegten Remake von „Gefährliche Liebschaften“ („Cruel Inten­tions“). In diesem Pic wurde sie erstmals komplett gegen ihr bisheriges Image des gefälligen „All American Girl“ besetzt und gab stattdessen die Evil Bitch, welche Ryan Philippe unheilvoll bezirzt, gegen Reese Whiterspoon intrigiert und vor allem Selma Blair den Schlecker in den Mund steckt. Besonders Letzteres sorgte natürlich für ein großes Hallo und brachte ihr den MTV-Movie Award für den tollsten Filmkuss des Jahres 1999 ein. Somit darf sie sich als Mitinitiatorin des hinterher geradezu inflationär über das Hollywood-Kino hereingebrochenen „Frauen schmusen mit Frauen und das is voll arg, aber auch urgeil“-Hypes bezeichnen. Auch schon was ...
   Nach so viel Schmuddel musste wieder kindgerechte Unterhaltung her, also die Reafilm-Adaption von „Scooby-Doo“ (2002) an der Seite von Freddie Prinze jr. und Schiachbercht Matthew Lillard. Mit dem Hrn. Prinze war sie zu diesem Zeitpunkt im Übrigen bereits verbandelt, kurz nach Drehschluss wurde geheiratet. Spielfilm­technisch tat sich die nächsten zwei Jahre nicht viel und auch „Buffy“ hatte den Zenit überschritten und wurde 2003 nach 6 Jahren Laufzeit eingestellt. 2004 kehrte Sarah Michelle Gellar mit dem recht einträglichen Horror-Remake „The Grudge“ auf die Kinoleinwand zurück. Danach wurde erneut die ruhige Kugel geschoben. Ob freiwillig, um zu vermeiden ihren mittlerweile nicht mehr ganz so gefragten Gatten vor den Kopf zu stoßen, oder unfreiwillig, aufgrund bescheidener Angebotslage, sei dahingestellt. 2007 wieder ein kräftiges Lebenszeichen mittels einer schrägen Rolle in einem befremdenden Flick: „Southland tales“ von Richard Kelly (u.a. „Donnie Darko“). Der Synopsis nach eigentlich ein reißerischer Polit- Thriller (die USA werden von unbekannten Gegner atomar angegriffen und starten den 3. Weltkrieg) ist dieser Film ein seltsamer, psychedelischer Trip, der an bizarre David Lynch-Machwerke gemahnt. Auskennen ist also schon mal nicht. Trotzdem eine sehens­werte Angelegenheit, u.a. auch aufgrund der fetten Besetzung (Dwayne Johnson, Christopher Lambert, Kevin Smith, Sean William Scott, Justin Timberlake, u.v.m.). Und mittendrin brilliert Fr. Gellar als dumpfbackiges Ex-Pornostarlet, dass sich auf nur schwer nachzuvollziehenden Wegen (s.o.) plötzlich im Auge einer generalstabsmäßig angelegten Weltverschwörung wiederfindet. Solide Perfor­mance, hat sie gut gemacht!
   Die nachfolgenden  Filme liefen eher mäßig, mit „Possession“ (Thriller) und „Veronica decides to die“ (Drama) stehen für das kommende Jahr allerdings zwei Movies zur Veröffentlichung parat, die sich Plottechnisch nicht uninteressant anhören. Unser abschließendes Resümee: nach wie vor talentiert und knusprig, Karriere noch nicht abgestochen, mal schauen was kommt. mk





Sarah Michelle Gellar:
geb. 14.4.1974,
New York, USA

Links:
Fansite
Southland Tales
IMDB

Flickography:
(1997) Buffy (TV)
(1997) I Know What ...
(1997) Scream 2
(1999) Cruel Intentions
(2001) Harvard Man
(2002) Scooby-Doo
(2004) Scooby-Doo 2
(2004) The Grudge
(2006) Southland Tales
(2006) The Grudge 2
(2006) The Return
(2007) The Air I Breathe
(2007) Suburban Girl

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