Loungette: Selma Blair
Markus, 9.8.2009
   Die geheimnisvolle Selma Blair haben wir zu unserer diesmonatigen Loungette auserkoren. Schließlich steht seit kurzem das Comic-Sequel Hellboy 2 in den DVD- Regalen und da hat sie ja bekanntlich die weibliche Hauptrolle inne. Die Fr. Blair entstammt einer in Southfield/Michigan ansässigen Familie. Wie so viele vor ihr hatte sie mit der Schauspielerei ursprüng­lich nicht viel am Hut. Erst mit Beginn ihres Studiums 1990 am Kalamazoo College, wo sie im Stück „Little Theater of the Green Goose“ erste Erfahrungen als Darstellerin sammelte, kam sie in Kontakt mit Bühnenluft. Sie wechselte jedoch nach dem ersten Semester auf die University of Michigan und widmete sich dort dem Studium der Fotografie und der englischen Sprache. 1994 schaffte sie ihr Bakkalaureat und zog daraufhin nach New York mit dem festen Entschluss eine Karriere im Bereich Fotografie zu starten.
   Irgendwie dürfte das dann aber doch nicht so ganz Ding gewesen sein, denn wenig später schrieb sie sich an der bekannten Stella Adler Acting School ein, um Schauspielstunden zu nehmen. In ihrer Schauspielklasse entdeckte sie bald darauf ein Agent und bereits eine Woche später erhielt sie ihre Mitgliedskarte bei der Schauspielergewerkschaft. Bumm. Das geht ja dort bei den Schauspielern schneller als bei uns im Öffentlichen Dienst! Keine Kritik. Weil ist selbstverständlich sehr vernünftig für gewerkschaftlichen Rückhalt zu sorgen.
   1996 sollte das Selmalein dann seine erste Filmrolle abgreifen. „The Broccoli Theory”, so der Titel dieser Daherkommung, wäre nun grundsätzlich nicht sonderlich erwähnenswert. Der Name ihrer Debutrolle darin jedoch schon. Der lautete nämlich auf Pretzel Cart Lesbian. Fantastisch. Wer denkt sich nur so gelungen bescheuerte Benamsungen aus? Das gefällt uns. Es folgten ein Mini-Part in der Kevin Kline-Comedy „In and out“ (1997) sowie ein größerer Auftritt im Independent-Drama „Strong Island Boys“. „Brown's Requiem“ und „Girl“, an der Seite von solch 90er Jungspund-Sternchen wie den Schnuckis Tara Reid und Dominique Swain sowie Sean Patrick „Young Indiana Jones“ Flanery. Auf diese Weise näherte sie sich langsam dem Kreis der angesagteren jungen Hollywood- Riege des vergangenen Jahrzehnts. 1997 sprach Blair übrigens für die Hauptrolle in der Serie „Buffy“ vor, musste jedoch Sarah Michelle Gellar den Vortritt lassen. Sie dürfte es ganz gut verkraftet haben. Denn immerhin machte sie zwei Jahre später in der Teenie-Adaption von „Gefährliche Liebschaften" („Eiskalte Engel“) mit Sarah Michelle Gellar überzeugend gemeinsame Sache vor der Kamera. Und das dermaßen hingebungsvoll, dass ihr das zu einem unverhofften Karrieresprung verhalf.
   Ihre schauspielerische Leistung war den Juroren der MTV Movie Awards 1999 nämlich den Preis für den besten Zungenschnalzer des Jahres (mit der Fr. Gellar/ vgl. dazu Loungette 7/08) und eine Nominierung in der Kategorie „Beste Newcomerin“ wert. Na bitte. Der alte „Sex sells“-Schmäh hat halt noch lange nicht ausgedient.
   Weitere Auszeichnungen waren zwei Young Hollywood Awards in den Jahren 2000 (Exciting New Face – Female) und 2002 (Next Generation). Es folgten weitere das Teenie bzw. Twentie-Something-Genre bedienende Auftritte wie z.B. im Romantik-Firlefanz „Den einen oder keinen“ („Down to you“) mit Julia Stiles, Rosario Dawson und Freddie Prinze jr., „Natürlich Blond“ („Legally Blonde“) an der Seite ihrer BFF Reese Whiterspoon und des großen Luke Wilson, sowie „Supersüß und supersexy“ (Was für ein dämlicher dt. Verleihtitel! Org. „The Sweetest Thing“) als brünetter Sidekick der Paradeblondies Cameron Diaz und Christina Appelgate. Mit „Hellboy“ (2004) wechselte Selma Blair schließlich das Rollenfach und brillierte als reizend grantige Freundin des Titelhelden.
   Neben ihrem Mitwirken im Hollywood-Kommerzkino leistete sie sich im Gegensatz zu vielen anderen Kolleginnen immer mal wieder Ausflüge zum Independent- Film. Dort wirkte die dunkelhaarige Schönheit u.a. im gewohnt grauslichen John Waters-Movie „A Dirty Shame“ (2004), im Edward Burns-Drama „Purple Violets“ (2007) oder im Lori „Tank Girl“ Petty-Flick „The Poker House“ (2008) mit. Diese Hingabe zum unabhängigen US-Kino brachte ihr große Reputation im Feuilleton ein. Beziehungstechnisch erwähnenswert sind ihre Liason zu Schauspielerspezi und Musiker (Phantom Planet) Jason Schwartzmann sowie die Ehe mit Frank Zappa-Spross Ahmet Zappa. Ebenfalls Musiker, beglückte uns selbiger in den frühen 90ern gemeinsam mit seinem Brüderchen und Gitarren-Flitzefinger Dweezil übrigens mit recht properen, schräg gebürsteten Hardrock-Scheiben. Leider ging die Beziehung 2006 wegen der obligatorischen „unüberbrückbarer Differenzen“ in die Brüche.
   Karrieretechnisch ist die Fr. Blair mit ihren zwei Standbeinen (Hollywood- Kino vs. Independent-Flicks) jedenfalls ziemlich gut aufgestellt, man muss sich diesbezüglich wohl keine Sorgen machen. Um unsere Loungette des Monats August: Mrs. Selma Blair! mk








Selma Blair:
geb. 23.6.1972,
Michigan, USA

Links:
Website
› Clip: Cruel Intentions
› Late Show: Craig Ferguson
› Gap: It's cold outside
› Clip: Kill me later

Flickography:
(1997) In & Out
(1997) Scream 2
(1999) Cruel Intentions
(2001) Legally Blonde
(2002) The sweetest Thing
(2004) Hellboy
(2004) A dirty Shame
(2005) Pretty Persuasion
(2006) The Alibi
(2007) Feast of Love
(2008) The Poker House
(2008) Hellboy 2

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