Loungette: Winona Ryder
Markus, 20.5.2007
   Ungefähr seit einem Jahr und ein paar Zerquetschten führen wir nun die Rubrik „Loungette des Monats“. Jetzt ist es wirk­lich hoch an der Zeit endlich mal der Mut­ter aller Loungettes die Ehre zu erweisen, dem Zuckermausi Winona Ryder: Muse der Rockstars, gefallener Engel von Tins­el­town, schlaflose Nacht des männlichen Teils der Generation X. Ja es ist wahr, ihr Impact hat uns einst derart massiv ge­trof­fen, dass manche ihre pickligen, dafür dilettantischen Versuche im Rocken nach ihr benannten. Ähem, worüber wir an­sons­ten schleunigst wieder den Mantel des Schweigens breiten wollen. Unsere eigene Überwuzeltheit und ihr langes Vorhandensein im Geschäft hat jedenfalls zur Folge, dass das Winnielein mittlerweile weit mehr als ein Jahrzehnt zu unseren Oberschnuckis zählt. Generation X eben und sie die weibliche Ikone derselbigen.
   Wie allgemein bekannt sein dürfte, ist das Frl. Horowitz, das ihr bürgerlicher Familienname, ein waschechter Hippiespross. Solche Leute sind bei der Namens­findung immer recht verhaltensoriginell, daher wurde sie kurzum nach ihrem Geburtsort benannt. Als Pate stand dem Mädl dabei übrigens der Flower Power - Guru und LSD-Afficionado Timothy Leary zur Seite. Stilecht wurde sie außerdem in einer Kommune nahe Mendocino/CA großgezogen und durfte ab dem 10. Lebens­jahr eine Schauspielschule besuchen. Im Alter von 13 Jahren blieben dort die Augen einer namenlosen Talentsucherin an ihr hängen. So kam die halbwüchsige Winona zu ihrer ersten Filmrolle im Movie „Lucas“ (1985). Dafür kübelte sie ihren Nachnamen und tauschte ihn gegen „Ryder“. Kurz danach übernahm sie einen Part in der Horrorkomödie „Beetlejuce“ an der Seite von Michael Keaton, Alec Baldwin und Geena Davies. Der Film zündete am Box Office relativ amtlich. Nach dem Grundsatz „Man muss das Eisen schmieden solange es heiß ist!“ wurde nun emsig gedreht und sie produzierte in den späten 80ern im Schnitt 2-3 Filme im Jahr. Davon erwähnenswert die ein bisserl jenseitige Teenie-Pic-Satire „Heathers“ (1988) mit Christian Slater und Shannen Doherty, die Jerry Lee Lewis-Biographie „Great balls of fire“ (1989) an der Seite von Dennis Quaid sowie die Cher-Komödie „Mermaids“ (1989), welche schon allein aufgrund des „Shoop-Shoop-Songs“ die Kassen ordentlich überhitzen ließ. Flugs lugten die 90er beim Fenster herein und die sollten für Winona Ryder zunächst das Jahrzehnt überhaupt werden. Den Auftakt bildete „Edward Scissorhands“ („Edward mit den Scherenhänden“) als Partnerin von Posterboy Johnny Depp. Dieser Dreh sollte nicht folgenfrei bleiben, waren die beiden gleich danach für einige Jährchen ein Paar. Die Zuneigung des feschen Johnny zur süßen Winnie ging dabei gar so weit, dass sich der Herr Depp, vor lauter Verliebtheit völlig gaga im Schädel, ein Herzerl mit der Inschrift „Winona“ auf den Oberarm pecken ließ. Lieb! Aber auch ganz schön blöde, weil die Liason wie wir wissen leider den Bach runterging. Ein pfiffiger Tätowierer wusste jedoch Rat und bastelte daraus später einfach ein „Wine“. Wie auch immer, es jagte ein Filmerfolg den nächsten und die Ms. Ryder glänzte Genre-übergreifend in „Bram Stoker`s Dracula“, „Age of innocence“ („Zeit der Unschuld“), „House of spirits“ („Das Geisterhaus“) und „Reality bites“. Letzterer galt als die  Bestandsaufnahme der Befindlichkeit junger Menschen im Zeitalter des Grunge und brachte ihr den bereits oben erwähnten Ruf als das weibliche Pin up dieser Tage ein.
   Den Spagat zwischen Publikum und Feuilleton schien sie spielend hinzubiegen, die Karriere glich einem einzigen „Go!“. Parallel dazu ging`s zwischenmenschlich allerdings ein bisserl drunter und drüber. Neben einigen anderen gab es da die Beziehung zu Soul Asylum-Sänger und Schiachbercht David Pirner sowie eine Kurzzeit-Verlobung mit Frauenschwarm Matt Damon. Dieser unheilvolle Liebes­reigen mit chronisch schlechtem Ausgang dürfte an unserem sensiblen Schnullipups nicht spurlos vorübergegangen sein, denn ab der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts krümmte sich ihre Erfolgskurve langsam nach unten. Durchaus angesehene, wenn auch nicht mehr ganz so einträgliche Movies wie „Little Woman“ („Betty und ihre Schwestern“) oder „How to make an American Quilt“ folgten und nach „Alien  - Ressurection“ kam 1999 schließlich das Psychodrama „Girl, inter­rupted“ („Durchgeknallt“) in die Kinos. Ein veritabler Schlag in die berufliche Magengrube, wie sich bald herausstellen sollte. Die Kritik feierte diesen Flick zwar bis zum Gehtnichtmehr, dem Frl. Ryder attestierten sie jedoch, von ihrem zu diesem Zeitpunkt noch relativ unbekannten weiblichen Co mit Schmackes an die Wand gespielt worden zu sein. Für jemanden, der den permanenten Applaus der Fachwelt gewohnt war, nicht leicht zu verkiefeln. Die Neunziger um, das 3. Jahrtausend vor der Tür, Hofübergabe: jene Dame, die unser Winona-Hasi schauspieltechnisch so rüde hergebirnt haben soll, war nämlich keine Geringere als Angelina Jolie. Deren Stern setzte mit „Girl, interrupted“ und dem daraus resultierenden Award-Hattrick (Golden Globe, SAG, Oscar) zu einem sagenhaften Höhenflug an, während unser Mai-Loungetterl in einen immer rapideren Sinkflug hineingesogen wurde.
   Trauriger Tiefpunkt jener Talfahrt war schließlich der weidlich bereitgetretene Ladendiebstahl von 2002, bei dem sie Waren im Wert von beachtlichen 5000 Dollar unbezahlt einsackte. Es folgten Gerichtsverhandlung und Verurteilung im Blitzlicht­gewitter der garstigen Yellow-Press, traurige Bambiaugen-Fotos inklusive, ange­sichts derer uns ganz klamm ums Herz wurde. Wer wollte dieses arme Wesen da nicht fest an sich drücken, um ihr ein tröstendes „Alles wird gut!“ ins Ohr zu flüstern?
   Nun ja, ein paar leidlich erfolgreiche Filme hat sie nach diesem imagetechnischen Fiasko aber doch noch abgedreht wie z.B. das Asia Argento-Roadmovie „The heart is deceitful above all things“, „The darwin awards“ oder „A scanner darkly“. So richtig derappelt hat sich ihre Karriere vom Knick Anfang 2000 jedoch nach wie vor nicht. Es  heißt also Hoffen und Daumen drücken. Immerhin hängt für 2007 mit der schrägen Romantikkomödie „The last word“ nach längerem wieder ein Film in der Pipeline in dem sie die weibliche Hauptrolle bekleiden darf. Deshalb und aufgrund langjähriger Verbundenheit unsere Loungette des Monats Mai: Ms. Winona Ryder! mk










Winona Ryder:
geb. 29.10.1971,
Minnesota, USA

Links:
Website
IMDB
Wikipedia

Flickography:
(1986) Lucas
(1988) Beetle Juice
(1988) Heathers
(1989) Great Balls of Fire
(1989) Mermaids
(1990) Edward Scissorhands
(1992) Dracula
(1994) Reality Bites
(1994) Little Women
(1997) Alien Resurrection
(1999) Girl, Interrupted
(2000) LostSouls
(2002) Mr. Deeds
(2004) The Heart is deceitful...
(2006) A Scanner Darkly

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