Stinkefinger: Clint Eastwood
Wolfgang, 4.6.2005
   Es war einmal ein Fremder. Er hatte keinen Namen. Auch sprach er ziemlich wenig. Wozu auch? Er konnte schnell und gut schießen. Und er traf! Immer!
   Ein mehr als erfrischender Wind muss es gewesen sein, damals in den 60ern des 20. Jahrhunderts, als die (damals ja dann auch nicht mehr ganz jungen) Herren John Wayne und Gary Cooper von einem schweigenden, schlecht rasiertem, daher­rei­ten­dem Poncho-Prolo ordentlich auf­ge­mischt wurden und ihnen endlich Konkurrenz anheim fiel! Er, der einsame Fremde, Sergio Leone und Ennio Morri­cone. Die Helden des Italo-Western! Was wären sie alle ohne ihn gewesen! Den einzigartigen, großen, unvergleichlichen, schmaläugigen Clint Eastwood.
   Ob in Sergio Leones „Für eine Hand voll Dollar“-Trilogie, „Hängt ihn höher“, „Ein Fremder ohne Namen“ ... eine sehr lange Liste könnte es allein im (vorrangig Spaghetti-) Western Genre werden. Selbst als er anfing selbst Regie zu führen, seine Hauptrollen wurden zu seinem ersten Markenzeichen. Shut up, draw, shoot!
Die Sechziger neigten sich dem Ende und Hollywood verlangte nach Abwechslung: Clint Eastwood, nicht faul, sofort den Poncho gegen ein billiges Sakko getauscht, von Sergio Leone zu Don Simpson gewechselt, und da ward geboren: „Dirty Harry“! Immer noch die selbe Rolle: schweigsam, cool und schießwütig! „Come on, make my day!“ Nur dass der Gute, der wenn von Herrn Eastwood verkörpert, eben immer auch ein bissl böse war, auf einmal einen Namen hatte: Harry Callahan eben. Wenn man sich im Jahrzehnt davor im ländlichen Genre noch die Mühe machte jedem Film einen eigenen Titel zu verpassen, verzichtete man in den Siebzigern dann darauf. Besten Falls wurden Untertitel hinzugefügt:

„Dirty Harry: Homicide", 1971 (verdammt originell)
„Dirty Harry II: Magnum Force", 1973 (Anspielung auf seine Knarre)
„Dirty Harry III: The Enforcer", 1976
„Dirty Harry IV: Sudden Impact", 1983
„Dirty Harry V: The Dead Pool", 1988 (noch immer!!!)

Nur mal soviel zum würdigen Altern, Herr Eastwood!

   Was er aber sogar versuchte. Und gar nicht mal schlecht! Da waren zum Beispiel die beiden Filme Anfang der Neunziger, mit welchen der (mittlerweile) Alt–Meister sein Fremder-ohne-Namen und Dirty-Harry-Image tatsächlich beerdigen wollte. Quasi wirklich würdig altern.
   Unforgiven", USA 1992; Neo–Western in traumhaften Bildern, brutalst regiert von alten Männern. Neben Clint Eastwood (Hauptdarsteller und Regisseur): Morgan Freeman, Gene Hackman und Richard Harris. Zum Zweiten: „In the line of fire", USA 1993; Eastwood neben Renée Russo und John Malkovich als alternder Secret Service Agent, der als einziger noch aktiver Agent jemals einen Präsidenten verlor (nonaned John F. Kennedy), und nun zum teuflischen Spiel gegen John Malkovich antritt. Beide Filme durchaus mit ein bisschen Augenzwinkern in Szene gesetzt! Sieh an! Dabei hätte man doch bleiben können!
   Man kann dann alles ein bisschen übertreiben. 1995 will der gute dann augenscheinlich sein Raubein Image endgültig ablegen und veröffentlicht seinen ersten (und bis dato einzigen) Film, der in erster Linie auf weibliches Publikum abzielt: „The Bridges of Madison County" mit Meryl Streep. Geht ja von mir aus auch durch im würdigen Alterungsprozess. Doch fällt meinem armen Ohre doch folgendes Hollywood Gerücht anheim: Clint Eastwood macht sich an die Arbeit zu: Dirty Harry VI"! Als ob der Rambo mit seinen 60 Jahren nicht schon zu blöd wär! Nein! Das Maß ist immer noch nicht voll! Der 75-jährige Harry Callahan soll mitsammt seiner mit30er Blondine (die sicher an seiner narzistischen Seite stehen wird) mit Verlaub scheißen gehen! Ich will das nicht sehen! Was kommt da auf uns Filmfreunde 2006 dann nur zu?! Geriatrie Abteilung Hollywood!? Ich seh´schon Dirty Harry im Rollator mit der 45er Magnum am Boden schleifend, weil er´s nimmer halten kann, dem Psychopathen hinterdrein japsen. Erbärmlich!
   Ich meine scheiße was ist das Nächste? Roger Moore im großen „Simon Templar is back“? Roy Scheider bekämpft zum 20. mal den weißen Hai? Sind Butch Cassidy und Sundance Kid vielleicht doch noch am Leben und freuen sich alias Paul Newman und Robert Redford auf eine quietschvergnügte Fortsetzung? Hä!?
   Und bevor sich jetzt noch so ein paar alte Knacker und Friedhofsdesserteure tatsächlich vom Herren Eastwood aufgestachelt fühlen und ihrer Karriere im Altersheim noch mal den leinwandtechnischen Action–Kick verleihen wollen, erhält Clint Eastwood (stellvertretend für all jene) den Stinkefinger der Woche. Untertänigst, Wolfgang








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