Stinkefinger: iTunes
W-Bär, 20.3.2006
   Servus digitale Revolution, d'Ehre 21. Jahrhundert. Bin nämlich grad ange­kom­men. Das erste Mal shoppen bei iTunes ist Geschichte, mein Börsl um ein paar Euro kleiner und der damit einhergehende Frust umso größer. Aber immer schön langsam mit den jungen Pferden ...
  Grundsätzlich bin ich ja einer von denen, die sich jahrelang geweigert haben von der guten alten Vinyl-Platte auf das schnöde kleine Plastikscheiberl (ergo: CD) umzusteigen. Da standen noch wöchent­liche Ausflüge in legendäre Läden wie Rocktiger, Why Not und Ton-um-Ton am Programm (kleiner, in nostalgischen Er­inner­ungen schwelgender Seufzer am Rande). Da hatte der Durchschnittswiener auch vom dreisten mp3-Klau via Internet noch überhaupt keinen blassen Dunst. Irgendwann bin ich dann aber doch zum faulen Sack mutiert und auf CD umge­stiegen.
   Jetzt könnt ich natürlich schamlos einwerfen, dass einfach fast nix mehr auf Platte rausgekommen ist und Plattenspieler immer teurer geworden sind. Nö, das war's aber nicht. War einfach zu faul diese Ungetüme nach der Halbzeit umzudrehen. Einmal abgesehen davon, dass ja mit ein paar paar hundert Platten (billige Angeberei Ende) auch ein veritables Platzproblem mitkommt. Und irgendwie bin ich dann dazu übergegangen Musik daheim überhaupt nur noch auf dem Kübl (= Personal Computer, der) zu hören. Die CD wird also nach dem Kauf kurzerhand zu mp3-Mus verarbeitet und landet auf der Platte. Damit hat man alles schön übersichtlich auf einem Fleck und mit den richtigen Einstellungen bekommt man da bei bescheidener Größe durchaus mp3s hin, die sich in der Qualität vom Original nur noch marginal unterscheiden. Ist für so einen faulen Sack wie mich natürlich die Offenbarung, weil 1 Klick und dumpf dröhnt der Trommelschlag. Und das hat schon was. Einmal kurz den iTunes-Store besuchen, das ins Auge gefasste  Krawallpaket auswählen und ein paar Minuten später ist die ganze Chose schon wieder vorbei und der gerade erstandene Rock'n'Roll wummert aus den Boxen. Kein Platzproblem, keine tagelange Wartezeit auf's Postpackerl kein halber Fuß in der Illegalität (von wegen böses Internet) und billiger ist es auf den 1. Blick auch. Womit wir auch schon beim Thema wären.
   Dieses iTunes ist mit Verlaub der allerletzte Dreck. Warum? 1. „Digital Rights Management" aka DRM. Heißt nix anderes, als dass sich die gekauften Musikstücke ausschließlich mittels iTunes oder iPod abspielen lassen (also nix da Winamp oder herkömmlicher mp3-Player). Außerdem kommen die gekauften Dinger in einer ausgesprochen miesen Qualität daher (im Vergleich: eine ca. 3 min. lange Nummer hat als mp3 in ausreichender Qualität ca. 5 MB - das ist dann qualitätstechnisch schon mehr als brauchbar - bei iTunes sind es grad einmal 3 MB ... das ist fast die Hälfte und somit baba Qualität, servus digitaler Supergau). Das hört sich vielleicht am iPod noch gut an, aber spätestens wenn eine Audio-CD gebrannt wird und der Quargl sich mittels Stereoanlage in den Gehörgang zwängt, kommt das große  Ohrengrausen. Einmal abgesehen davon, dass die Dinger brenntechnisch auch noch eingeschränkt sind.
   Hab ich schon erwähnt, dass eine Nummer heiße 0,99 Cent kostet? Gar nicht mal so wenig eigentlich. Komplette Alben kommen auf EUR 9,90. Ist ja sensationell. Übrigens: bei CDWOW gibt's in der Regel Neuerscheinungen um EUR 11,99. Das sind grad mal 2 Euro mehr und dafür gibt es keine Einschränkungen, detto keine Lieferkosten, einen physikalischen Tonträger und ein im besten Fall liebevoll gestaltetes, stylisches Booklet samt Texten und Credits. Jetzt könnte der eine oder andere iTunes-Verfechter natürlich einwerfen, dass es bei iTunes durchaus auch schon Musikdateien in besserer Qualität zu kaufen gibt. Stimmt! Allerdings kostet dann eine Nummer gleich unpackbare EUR 1,30 und es gibt zum jetztigen Zeitpunkt bei weitem nicht alles zur Auswahl (die Stückl mit höherer Qualität müssen nämlich auch  dementsprechend vom Plattenlabel bzw. dem Künstler bereitgestellt werden - und das tun momentan noch die wenigsten). Also nix da Circus Diablo und Bullets & Octane und von wegen Danny Walker!
   Ein veritabler Riesenschas also. Und was mich am meisten wurmt ist, dass die breite Masse kauft ... und kauft und kauft. Weil iTunes und Apple sind ja so super. Der Clou an der ganzen Geschichte ist natürlich der,  dass solange es bestens rennt, sich auch nix ändern wird. Wären ja auch ganz schön blöd, die Herren von Apple, wenn sie von selbst auf den großen Reibach verzichten würden.
   Wenn jetzt also noch einmal einer behauptet, dass Bill Gates (samt Microsoft und Windows)  ein Schlechter ist und im selben Atemzug dem Steve Jobs (und Apple) verbal anerkennend auf die Schulter klopft (weil Windoof ist ja Prolo und Apple viel cooler), dann geht mir endgültig die Grausbirn auf. Und damit will ich den nerdigen Zwerg mit der Brille sicher nicht verteidigen. Was  der Stinkbolzen da teilweise mit seinem Halunken-Verein abzieht geht auf keine Kuhhaut, aber  - und genau das ist der Punkt - Apple ist um nix besser. Aber so was von gar nix. Diese Saubartln haben mit ihrem iTunes-Schas einfach nur die Zeichen der Zeit ein bisl schneller überrissen als die Konkurrenz. Also: iTunes gehört tunlichst boykottiert und erhält hiermit von mir feierlich den LL-Stinkefinger, Apple ist mindestens genaus so ein Nepp wie Microsoft und im Übrigen bin ich der Meinung, der Hannes Eder muss geschlagen werden. Hugh, W-Bär







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